Eier, Speck und das „Abenteuer Linksverkehr“
Nach einer Nacht in der Koje, die – sagen wir mal – eher unter die Kategorie „Kurzschlaf für Fortgeschrittene“ an diesem 14. September 2025 fiel, rettete uns nur eins: Die Aussicht auf die Plus-Lounge. Wir duschten nochmal so genussvoll, als hätten wir gerade die Nordsee schwimmend überquert, und stürmten das Buffet.
Es gab das volle Programm: Eier, Speck, Porridge und genug Kaffee, um eine Kleinstadt zu beleben. Tee haben wir verweigert – man muss ja nicht direkt am ersten Morgen zum Royalisten mutieren, ein bisschen Stolz muss sein!

Flucht aus dem Bauch des Schiffes
In Harwich hieß es dann: Suchspiel! Unseren Kastenwagen hatten wir tief in den „Gefilden“ (oder wie ich es nenne: dem Verlies) des Schiffes geparkt. Aber dank des Erinnerungsfotos und dem typischen Männer-Orientierungs-Gen meines Lieblings-Chauffeurs, fanden wir unsere geliebte Karre. Ingo krallte sich das Lenkrad – eine Rollenverteilung, die für die nächsten drei Wochen in Stein gemeißelt wurde. Ich übernahm das Kommando als „Navi-Göttin“ mit einer Mischung aus Google Maps, Papierkarte und weiblicher Intuition.


Die Passkontrolle? Ein Klacks. Die Beamten winkten uns freundlich durch, und schon rollten wir auf englischen Boden. James Bond wäre stolz auf unsere unaufgeregte Einreise gewesen.
„Ingo, LIIIIIIINKS!“
Und dann: Linksverkehr. Und dann: Linksverkehr. Solange man in der Kolonne wie die Lemminge hinterherrollt, ist alles gut. Kritisch wird es erst, wenn man alleine auf weiter Flur ist und der Kopf schreit: „Geisterfahrer!“. Besonders die Kreisverkehre im Uhrzeigersinn sind anfangs pure Gehirnakrobatik. Immerhin: Seit wir das britische System überlebt haben, verstehen wir nun endlich auch den Kreisverkehr in Tuttlingen – ein echter Bildungsurlaub mit Nachhaltigkeit!


Der Strohdach-Stopp in Wilbraham
„MIst, wir jetzt haben uns verfahren!“. In der Nähe von Cambridge schickte uns eine Baustelle auf eine ungeplante Sightseeing-Tour nach Wilbraham. Ein Dorf wie aus einem Rosamunde-Pilcher-Film auf Steroiden! Fast alle Häuser tragen hier stolz Strohhüte. Man fühlt sich fast wie bei den Vogtsbauernhöfen im Schwarzwald.


Diese traditionellen Reetdächer, auch „Thatching“ genannt, haben in dieser Region eine jahrhundertealte Geschichte und prägen das typisch englische Landschaftsbild. Das Handwerk wird oft von Generation zu Generation weitergegeben, wobei spezialisierte „Thatcher“ meist Schilfrohr oder Weizenstroh verwenden. Ein gut gemachtes Dach hält bis zu 50 Jahre, erfordert aber eine beachtliche Investition und ständige Pflege. Besonders faszinierend sind die kunstvollen Verzierungen an den Dachfirsten, die oft die individuelle Handschrift des Meisters tragen. In Dörfern wie Wilbraham fühlt man sich dadurch wie in einer Zeitkapsel, in der die moderne Welt kurz Pause macht.
„Ihre Route endet hier“ – Na dann erst recht!
Manchmal sagt ein Bild (guckst du Titelfoto) mehr als tausend Worte – oder in diesem Fall: ein Satz mehr als jede Reiseplanung. Mitten im Nirgendwo, irgendwo zwischen Linksverkehr-Panik, bei Lockerbie, der schottischen Grenze und Vorfreude auf die Inseln und Highlands, verkündete unser Navi staubtrocken: ‚Ihre Route endet in einem unerreichbaren Gebiet.‘ Na danke auch! Aber hey, wer braucht schon eine lückenlose Route? Wenn das Navi behauptet, Schottland sei ‚unerreichbar‘, nehmen wir das als persönliche Herausforderung an.
Also: Einmal lässig auf ‚OK‘ getippt und ab ins Ungewisse! Während Ingo uns souverän auf der linken Seite hielt, navigierte ich uns mit einem wilden Mix aus Pixeln und Papier durch die Highlands – fest davon überzeugt, dass die besten Orte ohnehin auf keiner digitalen Karte stehen. Denn ohne zu suchen findet man dann… ↓↓
Geschichte zum Anfassen: Brougham Castle liegt malerisch am Fluss Eamont und blickt auf eine turbulente Vergangenheit voller Grenzkonflikte mit Schottland zurück. Zusammen mit den frei zugänglichen Ruinen von Penrith Castle und dem historischen Anwesen Brougham Hall bildet die Region ein echtes Bermudadreieck für Mittelalter-Liebhaber.

627 Kilometer hinter uns und Kartoffeln auf der Burnside Farm
Nach 390 Meilen – das sind stolze 627 Kilometer Dauer-Konzentration – landeten wir schließlich mit links in der Region Dumfries & Galloway in Südwesten Schottlands bei der wunderbaren Beatrix auf der Burnside Farm.


Gastfreundschaft, die nach Minze und Thymian schmeckt
Beatrix ist eine dieser guten Seelen, die man sofort ins Herz schließt. Die Künstlerin stammt ursprünglich von den Hebriden und führt ihren Hof mit einer spürbaren Portion Leidenschaft. Mit einem herzlichen Lächeln überreichte sie uns einen Korb voller Schätze: Kartoffeln, Karotten, Minze und Thymian – alles frisch aus der eigenen Erde. Die bescheidenen zehn Pfund Standgebühr haben wir da natürlich direkt verdoppelt. Während draußen der schottische Regen gegen die „Kätter“ peitschte, köchelte drinnen unser Ernte-Dank-Eintopf. Erschöpft, satt und glücklich – Schottland, wir sind da!
Das Fazit: Abenteuerlust schlägt Navi-Frust
Was für ein Tag! Von den dunklen Autodecks der Fähre über die strohgedeckte Zeitreise in Wilbraham bis hin zum vermeintlich „unerreichbaren“ Ziel im schottischen Regen. Wir haben gelernt: Navis sind Pessimisten, Linksverkehr ist reine Kopfsache und ein Korb voller frischer Kartoffeln und Karotten von einer Hebriden-Künstlerin wiegt 600 Kilometer Konzentration locker auf. Der erste Abend in der „Kätter“ fühlt sich genau so an, wie ein Abenteuer beginnen muss – gemütlich, ein bisschen nass und mit dem Duft von frischer Minze in der Nase. Schottland, wir sind bereit für dich!
Lust auf mehr? Ab in die Kommentare!
Wie ist es bei euch? Seid ihr beim ersten Mal Linksverkehr auch erst einmal vorsichtig der Kolonne hinterhergerollt oder habt ihr direkt den Kreisel-König gespielt? Und was war das Kurioseste, das euer Navi euch je an den Kopf geworfen hat?
Schreibt es mir in die Kommentare – ich freue mich auf eure Geschichten und Tipps! 🚐💨🏴


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