Schleusentreppe „Neptunes Staircase“, Dampfloks und der versteckte Riese Ben Nevis

Nach den mystischen Erlebnissen im Glencoe steuerten wir am Nachmittag des 17.09.2025 den nächsten Höhepunkt unserer Reise an: Neptune’s Staircase in Banavie bei Fort William.

Lebendige Tradition: 200 Jahre Präzision auf dem Wasserweg

Es ist dieser Moment, wenn das rhythmische Tuckern eines Dieselmotors die Stille am Kanal unterbricht. Die rote Lackierung der Argosy leuchtet fast unwirklich vor der Kulisse der Highlands. Hier am Caledonian Canal wird Geschichte lebendig – man spürt förmlich die Präzision, mit der Schiffe seit fast 200 Jahren diese Wasserstraße meistern.


Neptune’s Staircase: Die längste Schleusentreppe Großbritanniens

Diese beeindruckende Koppelschleuse ist ein wahres Meisterwerk der Ingenieurskunst und die längste ihrer Art in Großbritannien. Sie besteht aus acht aufeinanderfolgenden Schleusenkammern, die Schiffe über eine Distanz von knapp 460 Metern um etwa 20 Meter nach oben oder unten befördern. Erbaut wurde die Anlage zwischen 1803 und 1822 unter der Leitung des berühmten Thomas Telford als Teil des Kaledonischen Kanals.

Es dauert etwa 90 Minuten, bis ein Boot die gesamte „Treppe“ durchlaufen hat – für uns Zuschauer ein faszinierendes Schauspiel. Da die Schleusen heute noch mechanisch von Hand oder mit hydraulischer Unterstützung bedient werden, fühlt man sich direkt in die Zeit der Industriellen Revolution zurückversetzt. Für uns war es beeindruckend zu sehen, wie ein Schiff kurz vor unserer Ankunft die letzte Stufe erklommen hatte und nun majestätisch im oberen Becken lag. Es ist ein Ort, der enorme Ruhe ausstrahlt, obwohl hier gewaltige Wassermassen bewegt werden.

Halt mal! Was macht Wuff da? Wenn man nicht immer aufpasst…


Dampflok-Romantik und Rauchzeichen

Während wir die Schleuse bestaunten, lieferte Schottland den passenden Soundtrack: Ein Dudelsackspieler spielte „The Steam Train of Mallaig“. Passender hätte es nicht sein können, denn im Hintergrund schnaufte tatsächlich die echte Lokomotive des Jacobite Steam Train! Wir sahen aus der Ferne den dichten, weißen Rauch aufsteigen, als der „Harry Potter Zug Schottland“ fröhlich weiter Richtung des berühmten Glenfinnan-Viadukts (genau, die Harry-Potter-Brücke!) tuckerte. Ein magischer Moment, auch wenn wir die Lok nur „rauchen“ sahen.


Das Commando Memorial und das Rätsel um den Ben Nevis

Unser nächster Stopp war das imposante Commando Memorial bei Spean Bridge. Diese bronzene Statue zeigt drei Commandos, die in Richtung des Ben Nevis blicken, und erinnert an die Elite-Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs in dieser rauen Umgebung ihr Training absolviert haben.

Eine Bronzestatue von drei Commando-Soldaten des Zweiten Weltkriegs auf einem hohen Steinsockel vor einem weiten, bewölkten Himmel in Schottland. Am Fuß des Denkmals liegen zahlreiche Gedenkkränze und Blumen. Auf dem Sockel steht die Inschrift „United We Conquer“.
Das Commando Memorial bei Spean Bridge erinnert an die Elite-Einheiten, die während des Zweiten Weltkriegs in dieser rauen Gegend trainierten.

Heute ist es nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch einer der besten Aussichtspunkte der Region. Theoretisch hat man von hier einen Logenplatz auf den Ben Nevis, den Riesen Schottlands. Ehrlich gesagt konnten wir ihn im Wolken-Wirrwarr aber nicht sicher identifizieren. Selbst die Einheimischen zuckten nur mit den Schultern – bei diesem Wetter sahen alle Gipfel irgendwie riesig und mystisch aus.

Sturm-Nacht am Loch Cluanie

Vorbei an den Ufern des berühmten Loch Ness, hielten wir die Augen natürlich offen – doch Nessie hat sich heute wohl auch vor dem stürmischen Wetter versteckt und ist in den tiefen, dunklen Schichten des Sees geblieben.

Eine niedliche Comic-Illustration eines grünen Seemonsters (Nessie) und eines kleinen Schafes, die gemeinsam im blauen Wasser des Loch Ness planschen.

Die Wellen schlugen gegen das Ufer und der dichte Nebel tanzte über der Wasseroberfläche, was die Suche nach dem legendären Ungeheuer ohnehin zu einem hoffnungslosen Unterfangen machte.

Außerdem war unsere Fiona verschwunden…

Mit der Hoffnung auf eine etwas ruhigere Bucht und einen geschützten Platz für die Nacht steuerten wir schließlich unseren finalen Schlafplatz für diesen ereignisreichen Tag an. Am Loch Cluanie wurden wir fündig. Der Blick auf den See fesselte uns – da der Sturm extrem darüber peitschte!

Wir machten es uns in unserer „Kätter“ gemütlich, während draußen der Regen auf das Dach unseres Ducatos prasselte. Zur Stärkung gab es eine schottische Buchstabensuppe – natürlich auf Englisch! Es macht überraschend viel Spaß, im stürmischen Schottland nach einem „S“ für „Storm“ oder einem „W“ für „Windy“ zu fischen, während der Van von den Böen geschüttelt wird. Es war die perfekte, unkomplizierte Mahlzeit für einen Tag, der so voller Eindrücke steckte.

Eine neblige und stürmische Ansicht von Loch Cluanie in Schottland. Im Vordergrund wiegt sich herbstlich brauner Farn im Wind. Der See im Hintergrund ist von dichtem, grauem Nebel und tief hängenden Wolken eingehüllt, die die umliegenden Berge fast vollständig verbergen.
Schottische Buchstabensuppe in der Kätter, RegMystische Melancholie am Loch Cluanie: Wenn der schottische Regen die Highlands in ein tiefes Grau taucht.ensuppe vor unserem Kastenwagen.

Wenn Pläne im Wind verwehen

Während der Regen gegen die Scheiben peitschte, mussten wir der Realität ins Auge blicken: Die Äußeren Hebriden waren für diesen Trip leider nicht vorgesehen. Unser Naivi-Kapitän Ingo checkte alle Fährverbindungen von Skye nach Tarbert, doch das Display blieb gnadenlos: Fully booked.

Ein kurzer Moment der Enttäuschung machte sich breit – Harris und Lewis standen so weit oben auf unserer Wunschliste. Aber hey, das ist das Schöne am Vanlife: Wenn eine Fährklappe zugeht, öffnet sich irgendwo in den Highlands ein neues Glen. Wir lassen uns die Laune nicht verderben und sind gespannt, welche Überraschungen der nächste Tag bereithält, wenn wir uns auf den Weg zur Insel Skye machen.


Fazit: Flexibilität ist alles

Der Tag hatte uns wieder einmal gezeigt, dass Schottland sich nicht planen lässt – weder das Wetter noch die Aussicht auf den Ben Nevis oder Fährverbindungen. Aber genau diese Unvorhersehbarkeit macht das Abenteuer aus. Ob es das leuchtende Rot der „Argosy“ im grauen Kanalwasser ist oder die gemütliche Buchstabensuppe im stürmischen Kastenwagen: Es sind die kleinen, ungeplanten Momente, die bleiben.

Wie gefällt euch die „Argosy“? Habt ihr auch schon mal eure Reisepläne komplett über den Haufen werfen müssen, weil Schottland andere Pläne hatte? Schreibt es mir unten in die Kommentare – ich freue mich auf eure Geschichten!


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