Ein Morgen bei Glenmoriston voller Überraschungen
Nach der Sturmnacht am 18.09.2025 in Glenmoriston starteten wir mit sehr unterschiedlichen Energieleveln in den Tag. Während Ingo kaum ein Auge zugetan hatte, habe ich (Karin) geschlafen wie ein Murmeltier. Das sanfte – oder eher kräftige – Rütteln unserer „Kätter“ fühlte sich für mich an wie eine riesige Babywiege, für Ingo wohl eher wie eine Fahrt in der Zentrifuge.
Beim ersten Blick aus dem Fenster entdeckten wir in der Nachbarschaft einen wahren Survival-Künstler: Ein ganz hartgesottener Camper hatte direkt neben uns im Zelt übernachtet! Bevor wir ihn auf einen wärmenden Wachmacher-Kaffee (oder einen „Überlebens-Tee“) einladen konnten, war er im Morgengrauen auch schon wieder verschwunden. Wahrscheinlich auf der Flucht vor den Pfützen, die es erst einmal zu überwinden galt.



Unser eigenes Frühstück schmeckte heute besonders süß, denn Ingo vollbrachte das morgendliche Organisations-Wunder: Er ergatterte einen Platz auf der Fähre nach Tarbert für den nächsten Nachmittag! Für 56 Pfund ist die Hinfahrt gebucht. Ohne Rückticket. Wer denkt bei diesem Abenteuer schon ans Zurückkommen?
Glenshiel: Wo das Wasser und die Geschichte toben
Die Rollen waren klar verteilt: Ingo am Steuer, ich als „Command Center“ daneben – bewaffnet mit Navi, Karten und Infoheften. Bei Glenshiel bestaunten wir die tobenden Wassermassen, die nach dem Regen der Nacht als mächtige Sturzbäche ins Tal schossen.



Glenshiel ist eines der beeindruckendsten Täler der Highlands. Hier ragen die berühmten „Five Sisters of Kintail“ empor – eine Bergkette, die so steil ist, dass einem schon beim Hinsehen die Waden brennen. Geschichtlich ist das Tal durch die Schlacht von 1719 geprägt, und man spürt förmlich noch den Geist der Jakobiten an den Hängen. Für uns Vanlifer ist die Strecke ein Traum: Hinter jeder Kurve wartet ein neues „Oha!“-Motiv, oft mystisch in tiefe Wolken gehüllt.
Die Grusel-zu-Glamour-Tour
Nach einem kurzen, aber intensiven Gänsehaut-Check an der Aultachruine – flankiert von schiefen Grabsteinen, die so bedrohlich wirkten, dass selbst Stephen King hier Inspiration für sein nächstes Meisterwerk gefunden hätte – war die Stimmung am Anschlag. Doch kaum hatten wir das Gefühl abgeschüttelt, Teil eines Low-Budget-Horrorfilms zu sein, änderte sich die Kulisse schlagartig: Wir erreichten das legendäre Eilean Donan Castle. Statt modriger Grabsteine gab es nun schottische Bilderbuch-Eleganz pur – ein Kontrastprogramm, das unsere Nerven direkt von „Panik“ auf „Postkarten-Idyll“ umschaltete.


Eilean Donan Castle: Eine Ikone zum Verlieben
Wir kamen am Vormittag an und fanden mit unserer „Kätter“ dank der freundlichen Parkwächter sofort einen Platz für ein paar Pfund. Es nieselte schottisch-typisch, was die Burg und ihre steinerne Brücke über den Loch nur noch mystischer wirken ließ.

Obwohl wir die 13 Pfund Eintritt pro Person fair fanden, entschieden wir uns gegen eine Innenbesichtigung. Nur der neugierige Angus hatte sich das Castle angeschaut. Stattdessen gab es für mich (Karin) volles Programm im Shop! Ich rettete meine Hände mit neuen Pulswärmern aus Schafwolle (sorry an unser Schaf Fiona!) inklusive aufgestickter Disteln. Warm, schottisch, mein! Dazu wanderten noch Vorräte an Shortbread in den Wagen – man weiß ja nie, wann der nächste Hungerast kommt.
Wusstet ihr eigentlich…? Das Schloss thront am Schnittpunkt dreier Meeresarme: Loch Duich, Loch Long und Loch Alsh. Ursprünglich im 13. Jahrhundert als Wikinger-Abwehr erbaut, wurde es 1719 fast völlig zerstört und erst zwischen 1912 und 1932 liebevoll rekonstruiert. Filmfans kennen es aus Highlander oder James Bond – für uns war es einfach der perfekte Sonnen-Spot, denn pünktlich zur Abfahrt riss der Himmel auf und tauchte die Mauern in spektakuläres Licht.

Verrückt, völlig anders wirkt das Schloss, wenn die Sonne durch die Wolken bricht

Fazit: Chaos im Kopf, Liebe im Herzen
Schottland ist wie eine Achterbahnfahrt – nachts rüttelt dich der Sturm wach, morgens rettet dich eine Fährbuchung und mittags stehst du staunend vor einer Filmkulisse. Ob gruselige Ruinen oder majestätische Schlösser: Der Weg zur Insel Skye ist nichts für schwache Nerven, aber definitiv etwas für die Seele (und für warme Finger dank Schafwolle). Ob wir es nachmittags nach Skye schafften, lest ihr im nächsten Blogbeitrag.
Und ihr so?
Wart ihr auch schon mal am Eilean Donan Castle oder habt eine stürmische Nacht im Camper verbracht, in der ihr dachtet, ihr landet gleich in Oz? Schreibt es mir in die Kommentare – ich freue mich über eure Geschichten! 👇


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