Schnitzel-Schmuggel und Karussell-Fahrten
Unsere Reise begann in Sinzig, aber der wahre kulinarische Startschuss fiel im flachen NRW. Ein Besuch bei meiner Schwester steht traditionell unter dem Motto: „Essen bis die Naht platzt“. Es gab die „Heilige Dreifaltigkeit“ der deutschen Hausmannskost: Suppe, Schnitzel und Kartoffelsalat.
Als Bestechung (und in weiser Voraussicht auf Schottland) überreichten wir Trauben aus eigenem Anbau und eine Nessie-Schöpfkelle. Zum Abschied folgte die obligatorische Kurs Nord-West: Schnitzel-Schmuggel und holländische Karussell-Fahrten
Gefangen in der „Oranje“-Dauerschleife
Mit dem Proviant-Gewicht unseres Kastenwagens Kätter rollten wir Richtung Hoek van Holland. Und dann kamen sie: Die niederländischen Kreisverkehre. Verflixt und zugenäht!
Holländische Kreisverkehre sind ein moderner Test für die Ehe.
Erster Kreisel: mutig.
Zweiter: verfahren.
Dritter: Orientierungslosigkeit im Endstadium.
Ehe man „Frikandel“ buchstabieren kann, steht man mitten im Nirgendwo. Erst der Mix aus Ingos Tunnelblick und meiner Google-Navigation, die ich zur Nervenberuhigung simultan in unseren Dialekt übersetzte, führte uns aus dem Labyrinth der Wohngebiete wieder Richtung Hafen.
Das Tor zur Freiheit (oder: Das große Pässe-Zücken)
Da standen wir nun in der Warteschlange von Hoek van Holland, eingereiht zwischen abenteuerlustigen Wohnmobilen und anderen England-Heimkehrern. Vor uns thronte das Schild, das es offiziell machte: „EU Citizens“. Jetzt gab es kein Zurück mehr!
Während Ingo schon mal die Pässe bereitlegte, nutzte ich die Zeit für ein schnelles Beweisfoto. Es hat schon etwas fast Feierliches, wenn man an diesem kleinen Häuschen steht, das Ticket vorzeigt und weiß: Da hinten wartet der große weiße Riese, der uns über die Nordsee trägt.
Noch herrschte Ordnung, noch fuhren alle auf der rechten Seite, und noch waren die Schnitzelbrote meiner Schwester sicher im Handgepäck verstaut. Ein letzter prüfender Blick der Grenzbeamten, ein freundliches Durchwinken, und das Herzklopfen stieg – der Urlaub hatte nun auch ganz offiziell die bürokratischen Hürden genommen.
Vom Asphalt-Dschungel ins Bullaugen-Glück: Mit Kätter auf hoher See
Endlich lag sie vor uns: die Stena Line. Gehorsam reihten wir uns mit unserer Kätter in die zugewiesene Schlange ein und warteten auf das erlösende Winken der Einweiser. Als wir schließlich in den Bauch der Fähre rollten und unseren Stellplatz fanden, folgte der wichtigste Handgriff der Reise: Das Beweisfoto von der Platznummer. Man will ja am nächsten Morgen nicht wie ein aufgescheuchtes Huhn das riesige Parkdeck nach der Kätter absuchen!
Danach hieß es: Leinen los für den Komfort-Check in unserer Koje!
- Ein Riesen-Bullauge? Check. (Kino pur!)
- Eine Dusche, die so luxuriös war, dass wir darin überwintern könnten? Check.
- Das Erste-Klasse-Restaurant? Aber hallo!





Während das Schiff sanft aus dem Hafen von Hoek van Holland glitt, hielt ich einen kurzen, ernsten Dialog mit meiner Sparsamkeit. Ingo führte mich später in die Plus-Lounge auf dem Schiff. Mein persönlicher Disponent sonnte sich sichtlich in der glorreichen Erkenntnis, dass seine Routenwahl – die entschleunigte Nordsee-Sause statt des hektischen Calais-Dover-Gewusels – ein absoluter Geniestreich war.
Während wir über das dunkle, funkelnde Wasser schipperten, fiel der deutsche Autobahnstress von uns ab wie alter Rost. Und das Beste: London blieb links unten liegen. Wir umgingen das Verkehrschaos der Megacity im wahrsten Sinne des Wortes im Schlaf und investierten die gesparten Nerven lieber in ein gepflegtes Glas Wein.
Die Nacht der (ausbleibenden) Ruhe
Die Kabine war eigentlich perfekt. Das sanfte Vibrieren der Schiffsmotoren wirkte wie ein Schlaflied für Fortgeschrittene. Wir starrten wie hypnotisiert durch das Bullauge auf die Wellen, bis die Lichter verschwommen.
Das Ergebnis? Wir haben trotzdem mies geschlafen. Wahrscheinlich haben wir im Traum schon die erste Linkskurve geübt.
Die Strategie für den nächsten Morgen:
- Frühstück fassen: Bevor die englische Küste uns mit ihrem Linksverkehr schockt, muss Koffein ins System.
- Das Ingo-Update: Ich muss ihn mental darauf vorbereiten, dass er ab jetzt der „Geisterfahrer“ mit offizieller Erlaubnis ist.
Fazit der Überfahrt: Entschleunigung auf der Nordroute
Rückblickend war die Entscheidung für die Stena Line ab Hoek van Holland ein absoluter Volltreffer. Statt uns durch das hektische Nadelöhr bei Calais zu quetschen, haben wir den Urlaub bereits auf dem Wasser begonnen. Trotz der (vor Aufregung) etwas kurzen Nacht in der Kabine, sind wir entspannt und fernab des Londoner Chaos im Norden Englands gelandet. Wer Wert auf Atmosphäre, ein gutes Abendessen und einen stressfreien Start legt, dem können wir diese Route nur wärmstens ans Herz legen – auch wenn man die holländischen Kreisverkehre auf dem Weg zum Hafen als sportliche Herausforderung betrachten sollte!

Wie hat euch unsere Fähr-Etappe gefallen? Habt ihr auch schon mal im Labyrinth der niederländischen Kreisverkehre den Verstand verloren oder bevorzugt ihr doch die klassische Route über den Ärmelkanal?
Ich freue mich riesig über eure Kommentare, Tipps und eigenen Reise-Anekdoten hier unter dem Beitrag! 💬👇


Leave a Reply