Tschüss Berlin, hallo Freiheit: Mit „Kätter“ im Drift Richtung Südwest

Wir verließen den Trubel Berlins und ließen die Hauptstadt im Rückspiegel kleiner werden. Wir sattelten unseren treuen Kastenwagen „Kätter“ auf und steuerten ohne festes Ziel Richtung Südwest. Potsdam ließen wir dabei rechts liegen, ebenso das Havelseengebiet – beides sicher eine Reise wert, aber uns zog es heute weiter. Als wir so über die A9 rollten, forderte der intensive Tag in der City seinen Tribut: Die Augen wurden schwer. Ein Stellplatz musste her!

Unsere App führte uns schließlich zur Burg Rabenstein im Fläming – ein absoluter Glücksgriff. Dort konnten wir nicht nur kostenlos parken, sondern auch direkt in die Geschichte eintauchen.


Die Burg Rabenstein thront bereits seit dem 12. Jahrhundert auf dem steilen „Steilen Hagen“ und gilt als eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burgen in Brandenburg. Ursprünglich als Grenzfestung erbaut, wechselte sie über die Jahrhunderte oft zwischen sächsischen und brandenburgischen Herren den Besitzer. Besonders markant ist die Sage um die „Kobolde von Rabenstein“, kleine, unsichtbare Hausgeister, die den Bewohnern mal halfen und mal Schabernack trieben, solange man ihnen respektvoll begegnete.


Das „verschwundene“ Abendessen

Eine amüsante, aus Holz geschnitzte Kobold-Figur mit roter Nase und blauer Mütze am Wegesrand der Burg Rabenstein.

Es heißt, dass die Kobolde von Rabenstein besonders in der Burgküche ihr Unwesen trieben. Eines Abends wollte der damalige Burgkoch einen prächtigen Braten für den Schlossherrn anrichten. Er drehte sich nur kurz um, um frische Kräuter zu holen – und als er zurückkam, war der Braten weg!

Anstatt jedoch in Panik zu verfallen, wusste der Koch um die diebische Natur der kleinen Geister. Er schimpfte nicht, sondern stellte stattdessen eine kleine Schale mit süßem Brei und einem Klecks Honig auf das Fensterbrett und sagte laut: „Ein Tausch für den ehrlichen Finder!“ Nur wenige Minuten später – so die Legende – hörte er ein unterdrücktes Kichern aus der Vorratskammer. Als er nachsah, lag der Braten wieder unversehrt auf der Platte, nur eine winzige Ecke der Kruste war fein säuberlich abgeknabbert worden. Seit diesem Tag gehörte die „Kobold-Schale“ zum festen Abendritual der Küche, um sicherzustellen, dass keine Löffel verbogen wurden oder das Salz im Kaffee landete.


Von stolzen Rittern und majestätischen Falken

Hinter den dicken Mauern verbirgt sich eine bewegte Vergangenheit aus Rittertum, Belagerungen und dem Alltag einfacher Burgmannen. Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage umfassend saniert, wobei ihr uriger, wehrhafter Charakter stets bewahrt blieb. Heute wacht die Anlage noch immer majestätisch über den Naturpark Hoher Fläming und lädt Besucher zu einer Zeitreise ein. Sogar eine eigene Falknerei ist dort ansässig und hält die Tradition der herrschaftlichen Jagd lebendig. Wer durch das Tor schreitet, spürt sofort, dass jeder Stein hier eine eigene Legende erzählt.

Heute finden in diesem historischen Ambiente immer wieder kulturelle Veranstaltungen statt, die der alten Dame Leben einhauchen. Dieses Kleinod ist einen Besuch auf jeden Fall wert!

Zurück an unserem gemütlichen Van sammelte ich im sanften Abendlicht noch ein paar wilde Brombeeren für unser Porridge am nächsten Morgen. Um uns herum gingen nach und nach die Lichter in den drei, vier anderen Campern aus – und auch wir fanden kurz darauf einen tiefen, erholsamen Schlaf in der absoluten Stille des Waldes.


Das Rabenstein-Resümee

Unser Fazit nach einer Nacht unter Rittern und Geistern: Manchmal sind die spontanen Ziele ohne Plan die besten. Wer Ruhe sucht, Geschichte zum Anfassen mag und nichts gegen ein paar unsichtbare Kobolde als Nachbarn hat, ist auf der Burg Rabenstein goldrichtig. Wir ziehen weiter mit vollen Brombeer-Bäuchen und der Gewissheit: Brandenburg kann Mittelalter – und das verdammt gemütlich.

Und jetzt ihr!

Seid ihr eher Team „Alles akribisch vorplanen“ oder lasst ihr euch wie wir einfach treiben, bis die Augenlider schwer werden? Und die wichtigste Frage: Habt ihr schon mal Bekanntschaft mit Burgkobolden gemacht (oder war es am Ende doch nur der klappernde Campingstuhl im Wind)?

Rein in die Kommentare mit euren skurrilsten Stellplatz-Geschichten!


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