Sonnenschein & Springinsfelde: Warum sich das frühe Aufstehen für Schottlands Delfine lohnt
Der Wecker um 5 Uhr morgens ist ein Geräusch, das eigentlich verboten gehört. Aber was tut man nicht alles für die Freiheit auf Rädern? Mit leicht verquollenen Augen, aber tapferer Entschlossenheit, reihten wir unsere treue Kätter bald darauf in die Schlange vor der Fähre ein. Abschied von den Äußeren Hebriden – unser rollendes Zuhause verließ die Inseln Lewis und Harris der Hebriden, während wir uns einen Logenplatz auf der Heck-Terrasse sicherten.



Glücksmomente im Loch Broom: Wenn Delfine im Sonnenschein tanzen
Und was soll ich sagen? Schottland zeigte sich von seiner absoluten Schokoladenseite: strahlend blauer Himmel und Sonnenschein satt! Als Krönung entdeckte Ingo plötzlich eine Gruppe Delfine, die im Glitzern der Wellen des Loch Broom tanzten. Nach ein paar Schnappschüssen und Videoclips waren wir uns einig: Der frühe Vogel kann uns mal – aber diese Delfinsichtung in Schottland war jede Minute Schlafentzug wert!
Wildlife-Highlight: Der Gemeine Delfin (Common Dolphin)
Wir hatten recherchiert: Vermutlich handelte es sich bei den sympathischen Tieren um die Art Common Dolphin (Gemeiner Delfin). Das sind die absoluten Showstars der Gegend. Sie sind extrem verspielt, lieben es, in der Bugwelle der Fähren zu reiten, und treten oft in großen Gruppen (Pods) auf. Man erkennt sie an einer markanten, gelblichen Sanduhr-Zeichnung an den Flanken – auch wenn wir die „Flippers“ vor lauter Begeisterung gar nicht so genau fokussieren konnten.
Boxenstopp und Ruinen-Romantik
In Ullapool angekommen, hatte Kätter erst einmal ordentlich Durst und bekam eine volle Ladung Diesel spendiert. Schon beim Anlegen drang der Klang eines Dudelsackspielers zu uns herüber, auch wenn wir den einsamen Musiker am Kai leider nur aus der Ferne erspähen konnten.

Das pittoreske Fischerstädtchen mit seinen etwa 1400 Einwohnern begrüßte uns mit seinen strahlend weißen Häuserfronten, die sich wie eine Perlenkette am Ufer von Loch Broom aufreihten. Während die Möwen lautstark über den Fischkuttern im Hafen debattierten, sogen wir die salzige Seeluft tief ein. Mit vollgetanktem Stolz ließen wir das Postkarten-Idyll schließlich hinter uns und steuerten direkt in das Herz der Highlands. Unser Ziel: Loch Assynt.
Pracht, Pleite, Flammen: Die Legende von Calda House
Unser erster Halt war das mysteriöse Calda House. Das prächtige Herrenhaus wurde im 18. Jahrhundert vom Clan MacKenzie erbaut, um den Reichtum der Familie zur Schau zu stellen. Ein moderner Luxusbau, der völlig aus dem Rahmen fiel – und die Familie prompt in den Ruin trieb.

Nur wenige Jahrzehnte nach der Fertigstellung brannte das Haus unter ungeklärten Umständen bis auf die Grundmauern nieder. Glaubt man den lokalen Legenden, war daran allerdings kein profaner Kurzschluss schuld:


Nur wenige Jahrzehnte nach der Fertigstellung brannte das Haus unter ungeklärten Umständen nieder. Glaubt man den lokalen Legenden, war daran allerdings kein profaner Kurzschluss schuld: Man erzählt sich, die Hausherrin habe am heiligen Sabbat eine Party gefeiert und mit dem Teufel höchstpersönlich um den Familienschmuck Karten gespielt. Beelzebub hat das Verlieren wohl nicht vertragen und die Hütte kurzerhand abgefackelt.

Praktischer Tipp für euren Stopp
Wenn ihr selbst einmal die Geister der Vergangenheit (oder den Teufel) besuchen wollt: Die Ruinen des Calda House liegen direkt an der A837.
- Parken: Es gibt eine kleine, kostenlose Parkbucht direkt gegenüber der Ruine. Da die Straße recht schmal ist, solltet ihr dort unbedingt halten und nicht am Rand parken.
- Zugang: Vom Parkplatz führt ein kurzer, meist etwas matschiger Pfad direkt ans Ufer des Loch Assynt und zu den Mauern. Festes Schuhwerk ist hier – wie fast überall in den Highlands – Gold wert!
- Fototipp: Die beste Perspektive habt ihr am späten Nachmittag, wenn die Sonne die Steine golden färbt und sich die Ruine im Loch Assynt spiegelt.
- Bonus: Von hier aus erreicht ihr auch fußläufig das nahe gelegene Ardvreck Castle.
Fazit: Zwischen Meeresglitzern und alten Mythen
Dieser Tag war die Essenz dessen, was Schottland für uns so einzigartig macht: Die pure, wilde Natur mit tanzenden Delfinen am Morgen und die tiefen, tragischen Geschichten, die in den Ruinen am Nachmittag noch immer nachhallen. Es ist genau dieser Wechsel aus Wildlife-Erlebnissen und Highland–Mystik, der jede Stunde Schlafentzug sofort vergessen lässt.
Eure Meinung zählt!
Hättet ihr den Pakt mit dem Teufel für so ein prächtiges Herrenhaus riskiert – oder seid ihr eher wie wir im Team „Lieber ein Camper unter Sternen als eine Ruine am Loch“? Und mal ehrlich: Wer von euch leidet auch am chronischen „Fotostopp-alle-fünf-Minuten“-Syndrom?
Wir freuen uns riesig auf eure Geschichten in den Kommentaren!
So viel kann man für den nächsten Beitrag zu verraten: Wir bleiben am Loch Assynt, tauchen ein in das düstere Drama von Ardvreck Castle.


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