Geburtstagsanruf für’s Kind vom Roadtrip aus

Am 21. September 2025 feierten wir nicht nur den 36. Geburtstag meines (Karin) Sohnes – von hier aus noch einmal: Herzlichen Glückwunsch, alles Liebe und fühl dich fest gedrückt!, sondern auch die pure Entschleunigung auf den Äußeren Hebriden. Nach verpassten Duschen auf dem perfekten Stellplatz in Hushinish entdeckten wir die wahre Magie Schottlands.

Blick aus einem Camper-Fenster auf eine Meeresbucht unter einem weitläufigen Wolkenhimmel. Im Vordergrund sieht man eine grüne Wiese mit einem Elektro-Anschluss für Wohnmobile und einen Holzzaun, der an einer asphaltierten Küstenstraße entlangführt. Im Hintergrund erstrecken sich sanfte, grüne Hügelketten bis zum blauen Wasser.
Morgendlicher Ausblick aus dem Camper: Ein Logenplatz direkt an der rauen Küste der Äußeren Hebriden.

Die Sache mit der Geister-Dusche

Nach dem „Kuh-Drama“ vom Vorabend gestaltete sich die Stellplatzsuche bei Dunkelheit… sagen wir: spannend. Schließlich fanden wir ein Plätzchen mit Meerblick für 20 £ – inklusive Dusche. Zumindest theoretisch. Praktisch blieb uns der Zugang zum Sanitärgebäude verwehrt; die Tür war für uns hermetisch abgeriegelt.

Da wir in unserer Kätter jedoch völlig autark unterwegs sind, war das kein Problem: Kurzerhand wurde die bordeigene Dusche wieder benutzt! Nachdem Grauwasser und „Pipibox“ entsorgt sowie die Frischwasservorräte aufgefüllt waren, waren wir wieder startklar. Um den Strom müssen wir uns dank der Ladezyklen während der Fahrt ohnehin keine Sorgen machen.

Ingo hat derweil Nägel mit Köpfen gemacht und die Fähre von Stornoway nach Ullapool gebucht – am Mittwochmorgen um unchristliche 6:30 Uhr. Das Beste daran: Uns bleiben noch drei volle Tage grenzenlose Freiheit auf den Äußeren Hebriden. Super!

Panorama-Aufnahme einer wilden schottischen Küstenlandschaft. Im Vordergrund fließt ein kleiner Wasserfall über dunkle, bemooste Felsen in ein Loch. Im Hintergrund sieht man sanfte, karge Hügelketten und die Meeresausläufer unter einem dramatisch bewölkten Himmel.
Harris in seiner reinsten Form: Wo dunkles Gestein auf das tosende Wasser der Lochs trifft. Entlang der Küstenstraße nach Bostadh bietet die Natur hinter jeder Kurve ein neues Spektakel aus wilden Wasserfällen und unberührter Einsamkeit.

Alles auf Anfang: Der Rückweg von Hushinish

Da unser Stellplatz quasi am Ende einer Sackgasse lag, hieß es heute: „Kommando zurück!“ Die Strecke ist so schön, dass man sie auch zweimal fahren kann. Vorbei am Märchenschloss, dem tosenden Wasserfall und – wer hätte es gedacht – den Kühen. Diesmal standen sie allerdings brav grasend auf der Weide (wahrscheinlich hatten sie gestern genug Überstunden als Straßensperre gemacht). Rothirsche, Klippen, goldene Strände und Monumente für alte Helden des Landes säumten unseren Weg, während Ingo die Kätter sicher an den riesigen Felsbrocken vorbei manövrierte.



Archäologische Highlights: Callanish VII und das Leben in der Eisenzeit

Mitten im Nirgendwo stolperten wir über einen Steinkreis bei Uig (ja, das heißt hier genau wie auf Skye!). Es handelt sich um Callanish VII, auch bekannt als Cnoc Fhillibhir Bheag. Diese beeindruckenden Monolithen stehen in zwei konzentrischen Kreisen und wirken wie stille Wächter der Zeit. Archäologen vermuten, dass dieser Ort vor über 4.000 Jahren für astronomische Beobachtungen genutzt wurde. Die bis zu drei Meter hohen Steine aus Gneis trotzen seit Jahrtausenden dem rauen Wetter der Hebriden. Man spürt dort eine ganz besondere, fast magische Energie, weit abseits der Touristenströme.

Auf dem Foto unten rechts steht unsere Kätter. Wer findet sie?


„Papapiere bitte!“ – Teil 2

Kurz nachdem wir eine einsame, rote Telefonzelle im Nirgendwo passiert hatten und gerade noch dachten: „Gegenverkehr wäre auf dieser Brücke jetzt echt doof“, passierte es. Wer blockiert die Straße kurz vor Bostadh? Richtig, zwei stattliche Highland Cattles. Die „lokale Gang“ lässt uns wohl einfach nicht ohne Kontrolle passieren!


Wenn man vom Teufel spricht…


Zu Gast bei den Hobbits: Das Eisenzeit-Haus von Bostadh

In Bostadh angekommen, fühlten wir uns wie im Auenland. Das rekonstruierte Eisenzeit-Haus ist so tief in den Boden gebaut, dass man fast automatisch den Kopf einzieht. Es handelt sich um den Nachbau eines „Pictish Wheelhouse“, dessen Originale 1996 nach einem schweren Sturm am Strand freigelegt wurden. Die dicken Steinmauern und das grasgedeckte Dach boten den Menschen vor rund 1.500 Jahren Schutz vor den heftigen Stürmen des Atlantiks.


Zeitreise auf Knien: Das architektonische Wunderwerk von Bosta Beach

Im Inneren soll es erstaunlich gemütlich sein, auch wenn die Eingangstür so niedrig ist, dass definitiv nur Hobbits oder sehr gelenkige Kelten ohne Beule durchkamen. Die kreisförmige Anordnung der Räume zeigt, wie fortschrittlich die Architektur dieser Zeit bereits war. Heute fungiert das Haus als lebendiges Museum direkt am wunderschönen Strand von Great Bernera. Von den Hügeln aus konnten wir in der Ferne die Mangersta Sea Stacks erahnen – zumindest hoffen wir, dass sie es waren!

Wir müssen jetzt aber schnell weiter, denn das nächste große Highlight wartet schon: Die „echten“, großen Callanish-Steinkreise.


Fazit unseres Tages auf Harris

Wer die Äußeren Hebriden mit dem Wohnmobil (oder der „Kätter“) erkundet, braucht Geduld und Humor. Ob es die historische Walfangstation Bunavoneader ist oder die zotteligen Highland-Cattles, die den Verkehr regeln – ein Roadtrip durch Schottland ist erst dann perfekt, wenn der Plan durch die Natur über den Haufen geworfen wird. Die Sehenswürdigkeiten auf Harris wie das Eisenzeithaus Bostadh oder die Strände von Uig sind jede „Strafminute“ auf den Single Track Roads wert.

Wie ist es mit dir? Planst du selbst einen Schottland Roadtrip oder hast du die Callanish Standing Stones schon besucht? Wie war deine erste Begegnung mit der schottischen „Zollkontrolle“ auf vier Hufen? Schreib es uns in die Kommentare!


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