Dun Carloway Broch: Ein piktisches Meisterwerk auf der Isle of Lewis
Wusstet ihr, dass der Dun Carloway (Dun Charlabhaigh) einer der am besten erhaltenen eisenzeitlichen Wehrtürme Schottlands ist? Nach den mystischen Schwingungen der Callanish Steinkreise am Vortag steuerte „Navigator-Kapitän“ Ingo unseren Kastenwagen „Kätter“ Richtung Doune.

Der Tag begann für mich als Frühaufsteherin bereits um 7 Uhr mit einem Blick aus der Schiebetür. Dort entdeckte ich wieder einzelne Leute, die im Morgengrauen den Montag begrüßten. Ich drehte nach dem Durchlüften die Gasheizung von 12 auf 20 Grad.
Nach einem strategischen Porridge-Frühstück fiel der Startschuss, doch die Mission des Tages war zweigeteilt: Erst die Pikten, dann der Supermarkt. Denn wir haben einen Notfall: Das Bier ist leer!
Die Architektur des Dun Carloway: Trockenmauerwerk der Pikten
Majestätisch thront der Broch seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. auf einem felsigen Hügel über der Küstenlandschaft von Lewis. Das Faszinierende? Die bis zu neun Meter hohen Mauern halten allein durch präzises Trockenmauerwerk. Kein Gramm Mörtel, nur pure piktische Ingenieurskunst und tonnenschwere Felsbrocken.

Die Architektur war damals der letzte Schrei in Sachen Sicherheit:
- Doppelwand-System: In den Zwischenräumen der Mauern verlaufen Treppen und Galerien.
- Multifunktional: Außen Festung, innen Luxus-WG. Archäologen glauben heute, dass der Broch eher ein prestigeträchtiges Statussymbol lokaler Herrscher war als eine reine Trutzburg.
- Platzwunder: Im Inneren gab es einst Holzgerüste über mehrere Etagen – genug Platz für die Familie, das Vieh und die Vorräte (die damals hoffentlich besser bestockt waren als unser aktueller Biervorrat).





Legenden und Lagerfeuer-Garn
Dass der Broch sicher ist, wussten auch spätere Generationen. Eine Legende aus dem 16. Jahrhundert besagt, dass der Clan der Morrisons sich hier verschanzte, nachdem sie den MacAulays frech das Vieh stibitzt hatten. Man kann es ihnen kaum verdenken – die Aussicht über das Loch Roag und die Hebriden-Moore ist einfach unbezahlbar.



Ein überraschendes Wiedersehen und der Tanz in den Ruinen des Broch
Gerade als wir die massiven Mauern der Pikten Geschichte bestaunten, passierte etwas Unglaubliches: Eine Gruppe von Leuten strömte aus ihren Autos und kam den Hügel hinauf. Und tatsächlich – es war die Truppe vom Vorabend an den Callanish Steinkreisen! Das Wiedersehen war so herzlich, als seien wir alte Bekannte und hätten wir uns ewig nicht gesehen.
Mitten in dieser urzeitlichen Kulisse bildeten alle auf einen Wink hin alle einen Kreis. Dougie (Douglas) holte ein Buch aus seiner Tasche hervor und las uns die Geschichte des Brochs vor. Wir lauschten gebannt seinen Worten, während der Wind um die Steine pfiff. Ein schöner Zufall am Rande: Dougies Vater stammt aus der Nähe von Golspie. Zu diesem Ort haben wir eine ganz besondere Verbindung – aber diese Geschichte könnt ihr in einem späteren Beitrag lesen!



Doch es blieb nicht beim Lesen. Plötzlich erklang wieder die Bodhrán. Mehrstimmige gefühlvolle Lieder hallten zwischen den Doppelwänden wider und gaben dem Ort seine Seele zurück. Als dann das schwungvolle „Mairi’s Wedding“ angestimmt wurde, gab es kein Halten mehr: Alle (Sogar Ingo und ich trotz meines zickigen Knies) tanzten mitten im Zentrum des Brochs, umgeben von lachenden Menschen und jahrtausendealter Geschichte.
Das glaubt uns zu Hause doch keiner – ein privates Konzert mit Tanzeinlage in einer piktischen Festung!
Besuchertipps für den Dun Carloway Broch (Eintritt & Anfahrt)
- Eintritt: Der Broch ist frei zugänglich. Man kann direkt hinein und die 2.000 Jahre alte Technik förmlich spüren.
- Besucherzentrum: Direkt am kostenlosen Parkplatz gibt es Infos und Figuren, die das Leben in der Eisenzeit veranschaulichen.
- Highlight: Der Blick von oben über die wilde Moorlandschaft.
- Shopping: Im „Merch & Gifts“ findet man Souvenirs, Töpferwaren und Kostbarkeiten aus dem wertvollen Harris Tweed.



Fazit: Wenn Steine zum Leben erwachen
Der Dun Carloway ist weit mehr als nur ein Haufen alter Steine. Er ist ein Ort, an dem die Zeit stillzustehen scheint – bis sie plötzlich durch Musik und Tanz wieder zum Leben erweckt wird. Dieses unerwartete Wiedersehen mit Dougie und der Truppe hat uns gezeigt, dass die magischsten Momente einer Reise nicht im Reiseführer stehen, sondern dort passieren, wo man sich auf die Begegnungen einlässt.
Mit dem Echo von „Mairi’s Wedding“ im Ohr und einem breiten Grinsen im Gesicht machten wir uns schließlich an den Abstieg. Jetzt hieß es nur noch: Vorräte aufstocken, bevor wir unser nächstes Ziel ansteuern.
Und was meint ihr?
Hattet ihr auf euren Reisen auch schon einmal so eine unglaubliche Begegnung, die sich fast wie Schicksal anfühlte? Oder habt ihr vielleicht selbst schon einmal in einer historischen Ruine das Tanzbein geschwungen?
Schreibt es mir unten in die Kommentare! Ich bin gespannt auf eure Geschichten.


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