Sommerabend-Zauber: Wenn in den Gassen die Welt stillsteht
Wir lieben warme Sommerabende. Wenn man an solchen durch eine so attraktive Altstadt wie Miltenberg am Main schlendern kann, scheint die Welt augenblicklich in Ordnung zu sein. Die Atmosphäre in den historischen Gassen ist schlichtweg magisch.








Lebendige Geschichte: Ein Spaziergang durch die Jahrhunderte
Miltenberg wird nicht umsonst die „Perle des Mains“ genannt, da seine Geschichte tief im Mittelalter verwurzelt ist. Die Stadt entwickelte sich an einer strategisch günstigen Engstelle zwischen dem Odenwald und dem Spessart direkt am Flussufer.

Das Herzstück der historischen Altstadt ist der „Schnatterloch“ genannte Marktplatz, der mit seinen prachtvollen Fachwerkhäusern ein einzigartiges Ensemble bildet. Miltenberg hat es geschafft, seinen mittelalterlichen Charakter fast lückenlos zu bewahren, was es zu einem der fotogensten Orte in ganz Unterfranken macht. Dass diese Kulisse sogar als Drehort für den Filmklassiker „Das Wirtshaus im Spessart“ diente, unterstreicht den zeitlosen Charme, der Besucher heute wie damals in seinen Bann zieht.
Filmkulisse und Herzschlag der Stadt: Das Schnatterloch
Durch den „Schnatterlochturm“ – wir lieben diesen Namen einfach! – hindurch führt ein idyllischer Pfad über ein Teilstück des legendären Nibelungensteigs semi-steil hinauf zur Mildenburg.






Panoramablick und Erzbischöfliches Erbe: Aufstieg zur Mildenburg
Über den Dächern der Stadt thront die Mildenburg, die bereits im späten 12. Jahrhundert von den Mainzer Erzbischöfen errichtet wurde. Sie diente jahrhundertelang als wehrhafte Grenzbefestigung und Verwaltungssitz, um den Schiffsverkehr und die Handelswege zu kontrollieren. Nach Zerstörungen im Markgräflerkrieg im 16. Jahrhundert wurde die Burg in ihrer heutigen Form wiederaufgebaut und erhielt ihren markanten Bergfried.



Zwischen Kunst und Panorama
Heute beherbergt die Burganlage das „Museum.Burg.Miltenberg“, welches moderne Kunst mit antiken Ikonen in den historischen Mauern verbindet. Ein Aufstieg zur Burg belohnt Besucher mit einem spektakulären Panoramablick über das Maintal, wie er auch auf unseren Fotos zu sehen ist. Auch die alte Stadtmauer, die einst die gesamte Siedlung umschloss, ist in Teilen noch heute erhalten und zeugt von der Wehrhaftigkeit des Ortes.

Hinter der Idylle: Das tragische Geheimnis der Zauberhäuslein
Hinter dem heute so verträumt klingenden Namen der „Zauberhäuslein“ verbirgt sich ein erschütterndes Kapitel der Stadtgeschichte. Was wir heute als malerisch empfinden, war im späten 16. Jahrhundert Schauplatz tiefster menschlicher Tragödien. Miltenberg war zu dieser Zeit ein Zentrum intensiver Hexenverfolgung, der mindestens 200 Frauen und Männer zum Opfer fielen.
Um die wachsende Zahl der Verhafteten unterzubringen, errichtete man ab 1593 im Zwinger – dem Bereich zwischen der inneren Stadtmauer und dem Stadtgraben – etwa 15 bis 20 winzige Einzelgefängnisse. Diese schmalen Bauten wurden im Volksmund „Zauberhäuslein“ genannt, dienten jedoch einem grausamen Zweck: Hier wurden die Angeklagten unter oft menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten, bevor sie im nahegelegenen Wammesser Tor verhört wurden.



Die Urteile wurden meist in Schauprozessen auf dem Marktplatz oder dem Engelplatz verkündet und endeten oft mit der Hinrichtung vor der östlichen Stadtmauer. Als ein Akt der „Gnade“ galt es dabei, wenn die Opfer vor der Verbrennung geköpft wurden. Die letzte dieser Hinrichtungen fand am 6. Februar 1630 statt. Wenn wir heute an diesen kleinen Häuschen vorbeischlendern, erinnern sie uns daran, dass selbst die schönste Kulisse manchmal eine schattige Vergangenheit hütet.
Ein Ort der Stille: Steinerne Zeugen am Hang
Ein besonders eindrucksvoller Ort der Ruhe ist der jüdische Friedhof in Miltenberg, der zu den ältesten seiner Art in Bayern zählt. Er liegt malerisch am Hang oberhalb der Stadt und zeugt von einer jahrhundertelangen jüdischen Gemeinde-Tradition, die bis in das Mittelalter zurückreicht. Die teils stark verwitterten Grabsteine aus rotem Sandstein sind oft kunstvoll mit hebräischen Inschriften verziert und erzählen von den Familiengeschichten vergangener Generationen.
Zwischen alten Bäumen und wildem Efeu spürt man hier eine ganz besondere, fast ehrfürchtige Atmosphäre, die zum Innehalten einlädt. Es ist ein Ort, der neben dem Trubel der Altstadt daran erinnert, wie vielfältig die kulturellen Wurzeln dieser Stadt am Main sind.





Flussgeflüster: Camper-Romantik und Abschiedsgedanken
Besonders an warmen Sommerabenden spürt man bei den Schlösschen unterhalb der Burg den Geist vergangener Jahrhunderte. Es ist der perfekte Ort, um die Schönheit der Architektur zu genießen.







Gemütlicher Ausklang: Geschichten am Mainufer
Und so saßen wir da, am Ufer des Mains, die Füße fast im Wasser, umgeben von einem bunten Potpourri anderer Camper, die sich ebenfalls von Miltenberg verzaubern ließen. Bei einem kühlen Getränk und dem sanften Plätschern des Flusses ließen wir den Abend gemütlich ausklingen. Es wurde über Gott und die Welt gefachsimpelt, über die schönsten Routen philosophiert und natürlich ausgiebig von diesem wunderschönen Fleckchen Erde namens Miltenberg geschwärmt. Genau solche Momente sind es, die das Camperleben so besonders machen – das spontane Zusammensein, der ungezwungene Austausch und das Gefühl, Teil einer großen, reiselustigen Familie zu sein.
Mit dieser wunderbaren Station an der „Perle des Mains“ endet unsere große Reise, die uns in Etappen bis Berlin und wieder zurück geführt hat. Am nächsten Tag ging es mit dem Kopf voller Eindrücke und den Speicherkarten voller Fotos zurück in unsere kleine Schwarzwaldgemeinde.
Aber keine Sorge, liebe Reiselustige: Das nächste Ziel steht bereits fest und es ist, sagen wir mal, ziemlich episch! Es geht nach Schottland! Doch davon in den nächsten Blogs mehr, denn dort warten ganz andere Abenteuer – und vielleicht sogar ein Ungeheuer! 😉



Unser Fazit zu Miltenberg
Miltenberg hat uns auf Anhieb verzaubert. Wer Fachwerk, Geschichte und entspannte Spaziergänge am Wasser liebt, kommt an dieser Stadt nicht vorbei. Es war der perfekte Abschluss für diesen vorletzten Reisetag.
Eure Meinung zählt!
Seid ihr auch solche Fans von alten Fachwerkstädten? Welches ist eure liebste Stadt am Main? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!


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