Ein Streifzug durch Naumburg
Nach einem kräftigen Frühstück aus Porridge mit Brombeeren verließen wir Rabenstein und nahmen unseren Kurs wieder auf. Routenspezialist Ingo hatte längst ein neues Ziel im Visier: So kamen wir nach 135 km im Burgenlandkreis in den Ort Naumburg (Saale).


Das Ziel vor Augen: Nur noch 7 Kilometer bis Naumburg – die Vorfreude auf die Domstadt steigt mit jedem Meter auf der B180. Spuren der Zeit: Ingo spaziert vorbei an einer Ruine, die Geschichten aus vergangenen Jahrhunderten flüstert; hier wird Geschichte greifbar.
Ein Blick in die Geschichte
Den Ort könnte man mal anschauen, oder? Und ob! Naumburg blickt auf eine fast tausendjährige Geschichte zurück, die im Jahr 1028 mit der Verlegung des Bischofssitzes ihren eigentlichen Anfang nahm. Als bedeutender Handelsplatz an der Kreuzung zweier alter Handelsstraßen blühte die Stadt im Mittelalter förmlich auf. Die prachtvollen Bürgerhäuser rund um den Marktplatz zeugen noch heute vom Reichtum der damaligen Kaufmannschaft. Besonders prägend war die Zeit der Naumburger Messe, die einst in direkter Konkurrenz zu Leipzig stand. Trotz verheerender Brände und Kriege blieb der historische Stadtkern in seiner geschlossenen Struktur bemerkenswert gut erhalten. Heute ist die Stadt vor allem als Herz der Weinregion Saale-Unstrut bekannt und zieht Besucher aus aller Welt an.











Wir begannen unsere Exkursion. Dabei entdeckten wir viel Kunst an den Gebäuden, Stuck und Malerei vom Feinsten. Entlan der uralten Stadtmauer trafen wir auf die Spuren des Philologen und Philosophen Friedrich Nietzsche:
Der lebenslange Heimathafen Nietzsche’s
Friedrich Nietzsche verbrachte einen Großteil seiner Kindheit und Jugend in Naumburg, nachdem seine Familie 1850 hierhergezogen war. Die Stadt blieb zeitlebens sein familiärer Rückzugsort, an den er nach seinen Reisen und Professuren immer wieder zurückkehrte. Selbst in den schweren Jahren seiner geistigen Umnachtung wurde er hier von seiner Mutter und seiner Schwester gepflegt. Heute erinnert das Nietzsche-Haus in der Nähe der Stadtmauer als Museum und Forschungsstätte an das Leben und das komplexe Werk dieses einflussreichen Denkers.



Ein Klangwunder für Bach: Die Hildebrandt-Orgel
Die Hildebrandt-Orgel in der Stadtkirche St. Wenzel ist weit mehr als nur ein altes Instrument – sie gilt als eines der bedeutendsten Barock-Meisterwerke weltweit. Niemand Geringeres als Johann Sebastian Bach (da ist er schon wieder!) wirkte 1746 persönlich am Entwurf und der Abnahme dieser „Königin der Instrumente“ mit. Sie ist die einzige große Orgel der Welt, die Bachs Idealvorstellung von Klang und Technik bis heute fast originalgetreu bewahrt hat.
Für Musikliebhaber ist der glasklare, kraftvolle Sound in dem spätgotischen Kirchenraum ein Erlebnis mit absoluter Gänsehaut-Garantie. Wir hatten riesiges Glück: Der Organist unterrichtete gerade einen Schüler, sodass wir ganz unverhofft in den Genuss von Bachs berühmter Toccata und Fuge in d-Moll kamen. Auch wenn wir leider kein Video aufnehmen durften, wird uns dieser majestätische Klang noch lange im Gedächtnis bleiben.





Spannend ist die Kirche St. Wenzel mit der Hildebrandt-Orgel.
Die Kunst von Roland Lindner
In der Kirche war außerdem eine Ausstellung des Künstlers Roland Lindner, dessen Arbeiten besonders mich (Karin) fesselten. Vielen Dank an den besonderen Künstler, dessen Arbeiten ich an dieser Stelle auf Fotos zeigen darf:







Roland Lindner ist ein Künstler, der für seine tiefgründigen und oft spirituell aufgeladenen Skulpturen und Grafiken bekannt ist. Seine Werke zeichnen sich durch eine reduzierte Formensprache aus, die den Betrachter zur inneren Einkehr und Reflexion einlädt. In der Atmosphäre von St. Wenzel entfalteten seine Arbeiten eine ganz besondere Kraft und korrespondierten wunderbar mit der historischen Architektur.
Bummel-Lust in der Domstadt: Schätze an jeder Ecke
Beeindruckend zeigte sich die ganze Innenstadt Naumburgs, vom Rathaus angefangen bis hin zur Fußgängerstraße mit alten Ladengeschäften (wo findet man noch einen Pinsel- und Bürstenmacher?) und Boutiquen (wir wurden beide fündig). In einem „Elfen-Cafe und Pub“ erfrischten wir uns, schlenderten an der Jakobsmauer, entdeckten große Schätze und Kleinigkeiten. Selbst die Gullideckel sind verziert. Schließlich erkundeten wir den Naumburger Dom, bevor wir uns wieder auf den Weg zu unserem Kastenwagen Kätter machten.











Wurst-Mission: Auf nach Jena!
Danach machten wir uns auf die Socken Richtung Jena. Freund Henry hatte uns nämlich einen heißen Tipp gegeben, dem wir unmöglich widerstehen konnten: In Jena gibt es einen Metzger, der die angeblich besten Thüringer Würste der Welt über den Tresen reicht – und das mussten wir natürlich höchstpersönlich prüfen!
Unser Naumburg-Fazit: Eine Stadt mit Seele
Naumburg hat uns auf so vielen Ebenen überrascht. Es ist diese besondere Mischung aus weltberühmter Architektur wie dem Dom, den tiefen philosophischen Spuren Nietzsches und diesen ganz persönlichen, kleinen Entdeckungen in den Seitengassen, die den Ort so liebenswert machen. Ob es der majestätische Klang der Hildebrandt-Orgel war oder der charmante Bürstenmacher in der Fußgängerzone – Naumburg ist eine Stadt, die man nicht nur besichtigen, sondern mit allen Sinnen erleben muss. Bereichert und mit vollen Einkaufstüten machten wir uns schließlich zurück zum „Kätter“, bereit für das nächste Abenteuer.
Was denkt ihr?
Wart ihr schon einmal in Naumburg und habt vielleicht sogar die Orgel live gehört? Oder habt ihr einen ganz anderen Geheimtipp für die Region Saale-Unstrut, den wir beim nächsten Mal unbedingt besuchen sollten?
Schreibt es mir gerne unten in die Kommentare – ich freue mich auf eure Erlebnisse und Empfehlungen!


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