Goldrausch an der Sango Bay: Sonnenaufgang in Durness
Der Morgen empfing uns mit einem Spektakel: Die Sonne ging in dramatischen Farben auf und tauchte unseren Stellplatz oberhalb der Sango Bay bei Durness in das warme, fast unwirkliche Licht der „Goldenen Stunde“. In solchen Momenten bekommt Karins Zeigefinger ein Eigenleben – er zuckt unaufhörlich am Kameraauslöser.

Nach der Fotosession folgte der kulinarische Teil (man höre und staune!): Es gab echte Vollkornwecken vom Tesco mit Himbeermarmelade.
Während wir das Panorama vor unserer „Kätter“ genossen, stellten wir uns die Frage: Ruhetag oder Weiterfahrt? Die Neugier siegte. Die Angst, hinter der nächsten Biegung etwas Grandioses zu verpassen, ist bei uns einfach zu groß. Also: Motor an und ab an die Küste des Loch Eriboll.

Vielleicht wäre das vernünftig gewesen. Aber die Neugier siegte – die Angst, hinter der nächsten Biegung etwas Grandioses zu verpassen, ist bei uns penetrant einfach größer. Also hieß es wieder: Motor an! Wir düsten mit der Kätter los und folgten der wildromantischen Küstenlinie des Loch Eriboll.
Wissens-Stopp: Der „Heilige See“ (Loch Eriboll)
- Landschaft pur: Loch Eriboll ist weit mehr als nur ein tiefer Einschnitt in der Landschaft; er ist ein majestätischer Meeresarm, der sich wie ein norwegischer Fjord in die Highlands schmiegt.
- Sicherer Hafen: Wegen seiner geschützten Lage diente er der britischen Royal Navy über Jahrhunderte als wichtiger Ankerplatz, was ihm den Spitznamen „Churchill’s Lake“ einbrachte.
- Weltgeschichte: Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er zum Schauplatz der Geschichte, als sich hier im Mai 1945 über 30 deutsche U-Boote offiziell ergaben.
- Kontrast: Die Stille, die heute über dem tiefblauen Wasser liegt, lässt kaum erahnen, wie turbulent und strategisch bedeutsam es hier einst zuging.
- Fotospiegel: Für uns war die Fahrt entlang des Ufers einfach nur berauschend, da das Wasser die umliegenden Berge bei Windstille fast wie ein Spiegel verdoppelt.



Fahrspaß auf der North Coast 500: Single Track Roads für Profis
Unsere Reise führte uns weiter durch das Bilderbuch-Schottland: Vorbei an knuffigen Shetland-Ponys, der obligatorischen roten Telefonzelle (die in dieser Einöde fast wie ein bunter Fremdkörper wirkt) und den majestätisch wirkenden Bergen. Die Straßen? Sagen wir mal so: „Single Track Roads“ ist das schottische Wort für „Mutprobe mit Gegenverkehr“.

Vorbei an knuffigen Shetland-Ponys, der obligatorischen roten Telefonzelle (die in dieser Einöde fast wie ein bunter Fremdkörper wirkt) und den majestätisch wirkenden Bergen. Die Straßen? Sagen wir mal so: „Single Track Roads“ ist das schottische Wort für „Mutprobe mit Gegenverkehr“.
Doch als Schwarzwälder lässt sich Ingo von schmalen Wegen nicht aus der Ruhe bringen – er ist ja quasi mit Steigungen und Engpässen im Blut aufgewachsen. Das Geheimnis des Erfolgs sind die sogenannten Passing Places. Diese Ausweichbuchten sind das Spielfeld für ein faszinierendes soziales Experiment: Wer lässt wen zuerst durch?
In Schottland herrscht dabei das ungeschriebene Gesetz der Freundlichkeit. Man grüßt sich nicht nur, man zelebriert es! Sobald die Verkehrslage dünn wird, wird jeder entgegenkommende Wagen per Handzeichen begrüßt, als wäre es ein lang verlorener Verwandter. Die Schotten sind dabei wahre Gentlemen des Asphalt-Dschungels und lassen einem eher den Vortritt, als den Ellenbogen auszufahren. Ein wahres Paradies für jeden, der Hupe und Mittelfinger gerne mal Urlaub gönnen möchte.
Ard Neackie: Ein verstecktes Juwel am Loch Eriboll
Die markante Halbinsel Ard Neackie wirkt wie eine eigene kleine Welt: Nur ein schmaler Kiesstreifen, ein sogenannter Tombolo, verbindet sie mit dem schottischen Festland. Die markanten weißen Gebäude auf der Landzunge erzählen von vergangener Industrie; es handelt sich um historische Kalköfen und das dazugehörige Wohnhaus.

Gelegen in der geschichtsträchtigen Grafschaft Sutherland, zählt diese Region zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Europas. Die unberührte Weite macht sie zu einem absoluten Highlight für Roadtrips auf der berühmten North Coast 500 – ein Ort, an dem man die Einsamkeit und die raue Schönheit der Highlands in vollen Zügen genießen kann.
Von Einsiedlern, Fischern und Geister-Gasthäusern
Manchmal taucht es plötzlich auf: Ein einzelnes Haus, mitten in der unendlichen Weite der Highlands. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen – nur pure Idylle in vollkommener Abgeschiedenheit. Man fragt sich unwillkürlich, ob die Bewohner dort das Wort „Nachbarschaftsstreit“ überhaupt im Wörterbuch finden oder ob sie stattdessen morgens mit den Hirschen um die Wette frühstücken.

Während wir die Küste entlang schlenderten, konnten wir Fischer beobachten, die in aller Seelenruhe ihre Netze ausbrachten. Ein Handwerk, das hier noch so zeitlos wirkt wie die Berge selbst.
Lost Places in den Highlands: Das Rätsel um das Heilam Inn
Und dann stießen wir auf ein echtes Rätsel: Eine Ruine, die auf einer schmalen Landzunge im Loch Eriboll thront und bei Flut fast wie eine Insel wirkt. Wir haben recherchiert: Was heute wie eine Filmkulisse für einen schottischen Gruselfilm aussieht, ist das alte Heilam Inn. Früher war dies ein strategischer Hotspot: Wer sich den endlos langen Weg um den gesamten Loch ersparen wollte, kehrte hier ein und wartete auf die Fähre. Heute stehen nur noch die stolzen Grundmauern im Wind – ein perfektes Motiv, um den Auslöser der Kamera mal wieder glühen zu lassen.

Die Toten am Wasser: Friedhöfe und Keltische Kreuze an den Lochs
In Lairg machten wir einen Zwischenstopp, der uns nachdenklich stimmte. Dort besuchten wir einen Friedhof, der direkt am Ufer des Lochs liegt. Wir fragten uns unwillkürlich: Warum legten die Schotten ihre Friedhöfe so oft direkt ans Wasser?

Die Antwort ist so pragmatisch wie schottisch: In den Highlands besteht das Landesinnere meist aus steinhartem Fels oder triefendem Torfmoor – beides eher ungemütlich für die letzte Ruhe. Der sandige Boden an der Küste oder an den Lochs ließ sich schlicht leichter graben. Außerdem war das Wasser früher die „Autobahn“ der Highlands; wer mit dem Boot zur Kirche kam, wurde auch dort bestattet.
Steinerne Ewigkeit: Die keltischen Kreuze
Teils prangen prachtvolle keltische Kreuze auf den Gräbern einst geliebter Menschen. Hier ein kurzer Exkurs in die Geschichte dieser faszinierenden Ornamente:
- Symbolik: Das typische Ringkreuz verbindet das christliche Kreuz mit dem Kreis, der die Sonne oder die Unendlichkeit symbolisiert.
- Knoten ohne Ende: Die kunstvollen Flechtmuster haben oft keinen Anfang und kein Ende – ein Sinnbild für die ewige Reise der Seele.
- Frühe Mission: Ursprünglich dienten diese Hochkreuze im frühen Mittelalter als weithin sichtbare Predigtstätten oder Marktplätze, lange bevor es feste Kirchengebäude gab.
- Stein-Tattoos: Jede Einritzung erzählt Geschichten von biblischen Szenen oder alten Mythen, die über Jahrhunderte in den Stein gemeißelt wurden.
- Zahn der Zeit: Heute stehen viele dieser Steine schief im Wind, sind dick mit Moos überzogen und ihre Schriftzüge wirken wie verwaschene Erinnerungen. Ein Anblick, der gleichermaßen vergänglich und wunderschön ist.

Roadtrip-Finale: Kyle of Tongue und die Brücken von Melvich
Nach dem Friedhof war Zeit für ein bisschen Dynamik: Bei Tongue drehte ich ein Video, wie Ingo mit unserer „Kätter“ über den beeindruckenden Damm (den Kyle of Tongue Causeway) rollt. Aber seht selbst:

Brücken- und Highland-Idyll: Von entspannten Weidetieren bis zu den Schätzen von Forsswater
Am Straßenrand herrschten das pure schottische Leben: Schafe, Rinder und sogar Pferde grasen tiefenentspannt, während die Straßenbauarbeiter fleißig ihrem Tagwerk nachgehen.
Über Bettyhill und Thurso führte uns der Weg schließlich nach Melvich. Dort entdeckten wir eine zuckersüße kleine Steinbrücke – das perfekte Fotomotiv für unsere treue Kätter! Und als ob das nicht genug wäre, fanden wir bei Forsswater direkt die dritte Brücke in einer Atmosphäre, die so dicht war, dass man sie fast in Flaschen abfüllen möchte.










Es zog uns aber schon wieder weiter: zur Ruine der St. Mary’s Crosskirk nahe Lythmore/Forss.
Unser Fazit zum Tag
Dieser Abschnitt der North Coast 500 ist die perfekte Mischung aus rauer Natur und tiefer Entschleunigung. Ob es die historische Stille am Loch Eriboll ist oder das meditative Grüßen auf den Single Track Roads – Schottland zeigt sich hier von seiner ehrlichsten Seite. Wer hier hetzt, verpasst die Seele der Highlands.
Was war euer schönster „Lost Place“ in Schottland? Oder habt ihr Fragen zu den Single Track Roads? Schreibt es mir unten in die Kommentare – ich freue mich auf eure Geschichten!


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