Pleiten, Pech und Kaffeeglück: Unser Abstecher ins Unterland

Manchmal sind die spontanen Ideen einfach die besten. Am letzten Freitag im Juni packte uns nach der Arbeitswoche die Sehnsucht nach unserem Sohn Louis in Neckarsulm. Also: Kastenwagen „Kätter“ startklar gemacht, Wassertank voll, Kühlschrank-Tetris gespielt und – ganz wichtig – das bewährte „Plastikbier“ vom Penny verstaut. Warum ausnahmsweise Plastik? Ganz einfach: Es klappert nicht wie der Kollege aus Glas und tropft nach dem Leeren nicht die Bude voll. Profi-Tipp für Vanlifer!

Mit bester Laune ging es über Horb und an Stuttgart vorbei (ja, ohne Stau!) bis nach Neckarsulm. Da es schon spät war, steuerten wir den kostenlosen Stellplatz am Aquatoll an. Nach einem netten Plausch mit den Nachbarn und einem verdienten Plastikbier sanken wir in die Kojen und schliefen wie die Engel.


Der Duft von Freiheit… und Kaffeesatz

Mit dem Omnia lässt es sich ähnlich wie im Backofen backen. Damit gelingen hervorragend Käsespätzle, Suppen und Brote. An diesem Morgen gab es schlichte Aufbackbrötchen.

Der nächste Morgen begann wie im Werbefernsehen. Karin buk im Omnia frische Brötchen auf – dieser Duft ist einfach unschlagbar! Langschläfer Ingo schnarchte um die Ecke noch leise vor sich hin. Doch dann wollte das Schicksal ein Wörtchen mitreden. Habt ihr schon mal versucht, Kaffee zu kochen, während das Universum gegen euch verschworen ist?

Zack! Der Kaffeefilter kippte um. Die dunkle Brühe ergoss sich in einer epischen Welle über:

  • Die Spüle, sie Arbeitsplatte und den Herd
  • Sämtliche Schubladenfronten
  • Die Teppichläufer samt Kaffeesatz (natürlich!)
  • … und spritzte im hohen Bogen bis zum Tisch und zur Badtür.
Guten Morgen, Neckarsulm! Heute im Angebot: Peeling für den gesamten Van – inklusive Teppichläufer, Tischplatte, Badtür und Schubladenfugen.

Während Karin im Putz-Marathon zur Hochform auflief, ging der Traum vom Filterkaffee buchstäblich den Bach – oder besser gesagt: die Schubladen – runter. Und zwar bis ganz nach hinten! Ingo fand die Szenerie sichtlich amüsanter als die Putzfee selbst und lachte sich schief. Die Rettung? Unser eiserner Vorrat an löslichem Kaffee für den Notfall. Improvisation ist im Van eben alles!


Currywurst und Burgen-Hopping

Frisch geputzt trafen wir Junior und machten uns auf zum Talmarkt nach Bad Wimpfen. Ein Highlight! Dort gab es eine Currywurst „ohne Skandal“ (sprich: einfach lecker!) und Karin investierte in das wichtigste Accessoire für jeden Van: einen kleinen Rosshaarbesen, um dem nächsten Kaffeemalleur oder dem Straßendreck Herr zu werden. Gegen Abend hieß es wieder: Aufsatteln! Wir steuerten die Burgenstraße an. Die Strecke zwischen Heilbronn und Hirschhorn ist wie ein Märchenbuch auf Asphalt. Während wir den Neckar entlangrollten, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Links und rechts grüßten uns:

  • Die stolze Burg Guttenberg (bekannt für ihre Greifvögel)
  • Die mächtige Burg Hornberg (die Residenz des Götz von Berlichingen)
  • Schloss Zwingenberg, das majestätisch über dem Fluss thront
  • Die Minneburg bei Neckargerach

Logenplatz am Neckar

Unser Nachtlager schlugen wir auf einem Stellplatz direkt am Neckarufer auf. Ingo war im Element: Schiffe beobachten hat fast schon etwas Meditatives. Außerdem ist es ein spannender Part in der Logistik-Branche, seinem Metier. Karin schnappte sich die Kamera, um das goldene Abendlicht einzufangen.

Nach einem Abendessen, das zur Abwechslung völlig katastrophenfrei über die Bühne ging, kuschelten wir uns in unsere ‚Kätter‘. Während draußen die Frachtschiffe lautlos an uns vorbeizogen, ließen wir uns am iPad von Reiseberichten für neue Abenteuer inspirieren. Drinnen war es einfach nur herrlich gemütlich – Vanlife pur!


Hingucker unterwegs gefunden

Das Bauwerk rechts ist der Bergfried der Burgruine Eberbach in Eberbach am Neckar.

Genauer gesagt handelt es sich um die Reste der Mittelburg. Der markante quadratische Turm, der im 20. Jahrhundert teilweise rekonstruiert wurde, verfügt heute über eine hölzerne Aussichtsplattform mit Dach, von der aus man einen weiten Blick über das Neckartal und die Stadt Eberbach hat. Falls ihr vorhabt, die Burg zu besuchen: Der Aufstieg ist zwar steil, aber der Ausblick von der Plattform des Turms, den man auf deinem Foto sieht, soll sich sehr lohnen! Wegen meines (Spaßbremse Karin) lädierten Knies waren wir jedoch nicht oben.

Die gut erhaltene Burg Hirschhorn liegt im hessischen Teil des Neckartals. Die Anlage ist heute Sitz eines Hotels und Restaurants; der Bergfried kann oft als Aussichtsturm bestiegen werden, was wir tags darauf auch taten. Man erkennt den hohen, viereckigen Bergfried mit seinem markanten Zinnenkranz sowie das imposante Renaissance-Wohngebäude (Palas) mit seinen Staffelgiebeln. Sie thront oberhalb der gleichnamigen Stadt Hirschhorn in einer markanten Neckarschleife.


Sonntagsidylle und Ritterflair

Der Sonntag startete – man lernt ja dazu – ganz ohne Filter-Experimente. Wir frühstückten gemütlich und setzten voll und ganz auf unser neues Sicherheitskonzept: Pulverkaffee! Keine Krümel, kein Fluchen, einfach nur heißer Genuss, während wir die letzten Sonnenstrahlen am Neckarufer einfingen. Frisch gestärkt hieß es dann „Leinen los“ für das nächste Etappenziel: das majestätische Schloss Hirschhorn, das wir schon am Vorabend im Visier hatten.

Hoch über der Neckarschleife: Schloss Hirschhorn

Das Schloss Hirschhorn thront wie ein steinerner Wächter auf einem Bergsporn über der Stadt und gilt als eine der besterhaltenen Burganlagen im gesamten Neckartal. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus dem massiven, mittelalterlichen Bergfried und dem später hinzugefügten, filigraneren Renaissancepalas.

Von den wehrhaften Mauern aus bietet sich ein spektakulärer Panoramablick auf die berühmte Hufeisenschleife des Neckars, die sich hier tief in die bewaldete Landschaft gegraben hat. Man schaut direkt hinunter auf die roten Ziegeldächer der Altstadt und kann beobachten, wie die Schiffe winzig klein durch die Schleuse gleiten. Es ist einer dieser Orte, an denen man automatisch die Kamera zückt, weil man die Weite und geschichtsträchtige Ruhe einfach festhalten muss.

Der Auslöser der Kamera wollte auch auf der Anlage gedrückt werden

Die Tragische Geschichte des Ludwig Wedekind

Wusstet Ihr schon? Ludwig Wedekind ein Leutnant der Hanauer Turnerwehr, der während der Badischen Revolution 1848/49 ums Leben kam. Er wurde am 27. November 1821 in Nauheim geboren. Später war Wedekind Mitglied der ersten Kompanie der Hanauer Turnerwehr. Er kam im Juni 1849 mit seiner Einheit nach Hirschhorn, um die Neckar-Odenwald-Linie gegen anrückende preußische Truppen und Bundestruppen zu verteidigen. Am 14. Juni 1849 wurde er auf Schloss Hirschhorn versehentlich durch „Friendly Fire“ von seinen eigenen Leuten erschossen. Der Überlieferung nach geschah dies, weil er einem Turmposten das geforderte Passwort nicht schnell genug nannte.

Im Jahr 1869, zwanzig Jahre nach seinem Tod, errichteten seine ehemaligen Gefährten einen Gedenkstein im Schlossgarten von Hirschhorn. Dieser „Wedekindstein“ wurde 2019 frisch restauriert und gilt heute als eines der wenigen baulichen Zeugnisse der Badischen Revolution in der Region.


Schleusen-Kino: Wo Schiffe Fahrstuhl fahren

Weil wir von Natur aus neugierig sind, machten wir noch einen Abstecher zur Schleuse Hirschhorn, bevor wir die Segel strichen.

Es hat schon fast etwas Beruhigendes, zuzusehen, wie die dicken Pötte hier „Fahrstuhl fahren“. Die Schleuse Hirschhorn ist ein echtes Arbeitstier im Neckar:

  • Der Höhenunterschied: Hier werden die Schiffe um stolze 5,30 Meter angehoben oder abgesenkt – das ist fast so hoch wie zwei Kastenwagen übereinander!
  • Maßarbeit: Die Kammern sind 110 Meter lang, was bedeutet, dass die großen Güterschiffe oft mit Zentimeterarbeit hineingleiten, staunt vor allem Ingo.
  • Doppelt hält besser: Da auf dem Neckar ordentlich Betrieb herrscht, gibt es gleich zwei Schleusenkammern, damit kein „Stau vor der Tür“ entsteht.
  • Power für die Region: Direkt daneben nutzt das Laufwasserkraftwerk die Kraft des Neckars, um sauberen Strom zu erzeugen – quasi die Powerstation für das ganze Tal.

Nachdem wir genug Schiffe geguckt und das Prinzip „Wasser marsch“ in seiner sichersten Form bewundert hatten, hieß es für uns und die „Kätter“: Abfahrt Richtung Heimat!


Fazit: Ende gut, (fast) alles trocken!

Hinter uns liegt ein Wochenende voller Kontraste: Vom klebrigen Kaffeesatz-Drama am Morgen bis zum majestätischen Ausblick über die Neckarschleife war alles dabei. Wir haben gelernt, dass man für das echte Vanlife-Glück nicht viel braucht – außer einer funktionierenden Bürste (Danke, Rosshaarbesen!), einer Prise Improvisationstalent und natürlich der richtigen Begleitung. Die „Kätter“ ist wieder sauber, das Knie geschont und die Akkus sind voll mit Eindrücken von Burgen, Schiffen und Familienglück.

Jetzt seid ihr dran! Ist euch auch schon mal das Frühstück im Camper buchstäblich „um die Ohren geflogen“? Was war eure größte Van-Panne, über die ihr heute (vielleicht) lachen könnt? Schreibt es uns unten in die Kommentare – wir freuen uns auf eure Geschichten!

Bis zum nächsten Abenteuer, Eure Karin & Ingo


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