Von Stahlkolossen, Plüsch-Lieblingen und buntem Kieselstrand

Nachdem wir an diesem 16. September 2025 die St. Conan’s Kirk verlassen hatten, stand erst einmal ein ganz profanes Highlight an: Kätter hatte Durst! Für schmale 1,39 Pfund durfte sie sich an der Tankstelle den Bauch mit Diesel vollschlagen.


Die Brücke, die uns nicht losließ

Frisch gestärkt setzten wir vollen Kurs auf Oban – doch wer uns kennt, weiß: Der Weg ist bei uns selten eine gerade Linie. Wir verfuhren uns prompt (einmal wieder) und kamen so in den zweifelhaften, aber imposanten Genuss, gleich dreimal die Connel Bridge zu überqueren. Dann kann man sich wenigstens über die imposante Brücke informieren.

Ansicht der imposanten, grünen Auslegerbrücke aus Stahl, die sich über einen Meeresarm spannt.
Ein technisches Meisterwerk aus Stahl: Die Connel Bridge über den Falls of Lora.

Die Connel Bridge ist ein technisches Wunderwerk aus Stahl, das sich seit 1903 über die Falls of Lora spannt. Ursprünglich als Eisenbahnbrücke erbaut, beeindruckt sie heute durch ihre gewaltige Auslegerkonstruktion. Wenn man – so wie wir – mehrfach darüber rollt, hat man genug Zeit, die markante grüne Stahlstruktur zu bewundern. Unter der Brücke sorgt der Gezeitenstrom für spektakuläre Strudel, die fast so wild aussehen wie unser Fahrstil bei der Orientierungslosigkeit. Am Ende kannten wir jeden Nietenkopf der Brücke persönlich, fanden aber schließlich doch noch den Weg nach Oban.


Oban: Das Tor zu den Inseln

Nahaufnahme einer Kunststoffflasche mit dem orangefarbenen Erfrischungsgetränk Irn-Bru Sugar Free. Im Hintergrund ist ein helles Fenster mit einem Traumfänger zu sehen.

In Oban angekommen, stand die Versorgung an. Während des Einkaufs geschah ein kleines Wunder: Ich fand endlich ein Paar robuste Wanderschuhe, bereit für jedes schottische Moor! Auch das Kultgetränk Irn Bru durfte im Einkaufskorb nicht fehlen. Unseren Kastenwagen parkten wir direkt am Hafen, dem pulsierenden Herzstück der Stadt.


Das Tor zu den Inseln: Zwischen CalMac-Fähren und Hafenrobben

Der Hafen von Oban ist ein ständiges Kommen und Gehen und gilt völlig zurecht als das „Tor zu den Inseln“. Hier mischt sich der Geruch von salziger Meeresluft mit dem Duft von frisch frittiertem Fisch aus den zahlreichen Buden. Überall sieht man die großen CalMac-Fähren, die majestätisch in Richtung Mull oder Iona auslaufen. Kleine Fischerboote dümpeln neben modernen Jachten, während lautstarke Möwen versuchen, den Touristen die Pommes zu stibitzen. Es herrscht eine wunderbare Betriebsamkeit, die man stundenlang beobachten kann. Entlang der Kaimauer lässt es sich herrlich flanieren, vorbei an den Verkaufsständen für frische Meeresfrüchte. Der Blick schweift über das tiefblaue Wasser bis hinüber zur Insel Kerrera, die schützend vor der Bucht liegt. Sogar Seehunde lassen sich mit etwas Glück direkt im Hafenbecken blicken. Für uns ist dieser Hafen der Inbegriff von schottischem Küstenflair.

Hoch über der Stadt thront der McCaig’s Tower, das schottische Kolosseum. Dieses kuriose Bauwerk wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für arbeitslose Steinmetze errichtet. Da mein Knie heute allerdings beschloss, keine steilen Treppen steigen zu wollen, bestaunten wir die monumentale Granit-Ruine ganz entspannt von unten.


Ein Hauch von Rom in den Highlands: Der McCaig’s Tower

Der McCaig’s Tower thront als markante Landmarke hoch über Oban und erinnert mit seinen zweistöckigen Rundbögen unverkennbar an das römische Kolosseum. Erbaut wurde das Monument Ende des 19. Jahrhunderts von dem Bankier John Stuart McCaig, der damit nicht nur seiner Familie ein Denkmal setzen, sondern vor allem einheimischen Steinmetzen während der Wintermonate Arbeit geben wollte. Da der Erbauer vor der Fertigstellung verstarb, blieb das Innere leer und die geplanten Statuen sowie das Museum wurden nie realisiert. Heute umschließen die massiven Granitmauern stattdessen eine wunderschön gepflegte Gartenanlage, die eine fast meditative Ruhe ausstrahlt. Auch wenn man das Bauwerk nur von unten betrachtet, beeindruckt die schiere Größe dieser „unvollendeten Vision“, die das Stadtbild von Oban wie nichts anderes prägt.

Die kreisförmige Granit-Ruine des McCaig's Tower mit ihren charakteristischen Rundbögen gegen den Himmel.
Ein Hauch von Rom in den Highlands: Der monumentale McCaig’s Tower hoch über den Dächern von Oban.

Familienzuwachs in Oban: Wie Angus unser Herz (und die Kätter) eroberte

Beim anschließenden Bummel durch die Souvenirläden passierte es: Angus tauchte auf! Ein Plüsch-Highland-Cattle mit so viel Charme, dass wir einfach nicht Nein sagen konnten. Er adoptierte uns quasi auf der Stelle und reist seither als Maskottchen in der Kätter mit.

Mittlerweile hat Angus eine ganz besondere Mission: Er ist der offizielle Stellvertreter eines unserer vier Enkelkinder und war der stolze Erste dieser zwischenzeitlich vierköpfigen, plüschigen Gesellen-Runde. Mit der Gewissheit, ein neues Familienmitglied an Bord zu haben, und einer Portion Fish and Chips im Magen (ja, schon wieder), machten wir uns schließlich auf die Suche nach einem Schlafplatz.

Ein niedliches Plüsch-Hochlandrind mit zotteligem Fell und kleinen Hörnern sitzt im Innenraum eines Wohnmobils.

Abendruhe am Loch Linnhe

Zwischen Oban und Glencoe wurden wir am Loch Linnhe fündig. Wir standen fast direkt am Wasser und konnten bei einem romantischen Sonnenuntergang am Ufer entlangspazieren. Zwischen gigantischen Felsbrocken, farbigen Kieselsteinen und grünen Algen packte mich die Sammlerwut – ich konnte die bunten Steine einfach nicht liegen lassen. Und was soll ich sagen? Sogar Ingo wurde schwach und entdeckte am Ufer Schätze.

Mit einer Dose Bier in der Hand (und der Kamera in der anderen) beobachteten wir schweigend, wie die Sonne hinter dem Horizont versank. Ein perfekter Moment. Zurück in der Kätter wurde es dann sportlich: Wir zockten noch eine Runde Skyjo – unser absoluter Renner für Spieleabende im Kastenwagen!


Unser Resümee: Der Weg ist das Ziel (auch wenn man ihn dreimal fährt)

Dieser Tag hat uns mal wieder gezeigt, dass man in Schottland keinen starren Plan braucht. Ob es die ungeplante Sightseeing-Tour über die Connel Bridge war, der charmante Zuwachs durch Angus oder die stille Zufriedenheit beim Steinesammeln am Loch Linnhe – die schönsten Erlebnisse sind oft die, die man nicht an der Zapfsäule kaufen kann. Wir beenden den Tag glücklich in unserem Kastenwagen „Kätter“ bei einer Runde Skyjo und dem Rauschen des Wassers im Ohr.


Ab in die Kommentare!

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr auch Team „Sammler“ und schleppt nach jedem Urlaub gefühlt den halben Strand im Gepäck nach Hause? Oder habt ihr euch auch schon mal so richtig schön verfahren und dabei einen Ort entdeckt, den ihr sonst nie gesehen hättet?

Schreibt es uns unten in die Kommentare – wir freuen uns auf eure Geschichten!


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