Kurs auf das Herz der Demokratie

Unser Ziel am 31. Juli: Das Regierungsviertel, ein Besuch im Besuch Reichstag Berlin. Nachdem wir unseren ‚Kätter‘ in Bohnsdorf geparkt hatten, ging es mit der Bahn ab Altglienicke direkt durch das Getümmel ins ehrwürdige Reichstagsgebäude. Dort nahmen wir an einer Führung teil – der perfekte Vorgeschmack auf das, was uns im Inneren des Parlaments erwartete.

Der Reichstag selbst blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die eng mit den Wendepunkten der deutschen Demokratie verknüpft ist. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 1894 diente das Gebäude zunächst dem Kaiserreich und später der Weimarer Republik als Parlament. Ein dunkles Kapitel markiert der Reichstagsbrand von 1933, der den Nationalsozialisten als Vorwand diente, die Demokratie endgültig auszuhebeln. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Bauwerk massiv beschädigt und thronte über Jahrzehnte als Ruine direkt an der Berliner Mauer. Ein historischer Meilenstein war die Verhüllung durch den Künstler Christo im Jahr 1995, bevor das Gebäude mit der Wiedervereinigung umfassend modernisiert wurde. Seit 1999 ist der Reichstag wieder der offizielle Sitz des Deutschen Bundestages und symbolisiert heute Transparenz und Standhaftigkeit. In seinem Inneren verbinden sich steinerne Zeugnisse, wie russische Inschriften von 1945, mit modernster politischer Arbeit.


Politische Stille und ein Adler-Selfie

Nach der Tour im Freien hieß es: Ab ins Zentrum der Macht! Im Plenarsaal wurden uns die parlamentarischen Abläufe von einer fachlich versierten Guide-Dame fesselnd erklärt. Da allerdings gerade Urlaubszeit war, herrschte weit und breit politische Funkstille – niemand da, der uns regieren konnte! Eine fast schon gespenstische Ruhe lag über den blauen Sesseln. Doch die Dame beruhigte uns: Im Notfall könne jederzeit eine Sondersitzung einberufen werden. Dann hieße es für alle Minister: Koffer stehen lassen, Urlaub abbrechen und sofort in Berlin antanzen.

Ein Selfie-Porträt eines Paares im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Berlin. Im Hintergrund ist die markante Architektur des Saals mit den blauen Abgeordnetensitzen, dem großen Bundesadler und der modernen Glaskuppel-Konstruktion zu sehen.

Ingo und ich ließen uns von der parlamentarischen Leere nicht beirren und nutzten die seltene Gunst der Stunde für ein Selfie mit dem Bundesadler im Hintergrund. Wann kommt man dem „fetten Huhn“ – wie der stolze Wappenvogel von den Berlinern liebevoll-frech genannt wird – schon mal so nah, ohne dass ein unqualifizierter Zwischenruf von der rechten Seite die Idylle stört?


Saubere Aussichten: Die Glaskuppel

Danach stiegen wir hinauf zur gläsernen Kuppel (okay, es gibt dort einen Aufzug). Das historische Gebäude und die moderne Architektur bilden hier eine wirklich gelungene Symbiose. Während wir die Aussicht genossen, nutzte eine Truppe von Reinigungskräften die parlamentarische Sommerpause, um die Glaskonstruktion ordentlich auf Hochglanz zu polieren. Vermutlich haben unsere Regierenden im Plenarsaal danach den besseren Durchblick.

Diese markante Glaskuppel, ein Entwurf des britischen Architekten Sir Norman Foster, gilt als Meisterwerk der Moderne. Ihr Herzstück ist ein trichterförmiges Spiegelsystem, das das Tageslicht direkt in den Plenarsaal leitet und so für eine natürliche, helle Atmosphäre sorgt. Eigentlich spaziert man hier auf spiralförmigen Rampen symbolisch über den Köpfen der Abgeordneten – ein starkes Zeichen für die Transparenz unserer Demokratie.

Doch bei unserem Besuch war dieser „Walk of Democracy“ ausnahmsweise gesperrt: Die fleißige Putzkolonne hatte Vorrang und wir wollten die Herrschaften bei ihrem Einsatz für den perfekten Durchblick natürlich nicht stören. So blieb uns der Blick auf das raffinierte Belüftungssystem der Kuppel, die ganz nebenbei auch noch ökologisch wertvoll die verbrauchte Luft nach oben abführt.


Von hoher Politik zu tiefen Tellern

Vom Dach des Reichstags aus hatten wir einen fantastischen Blick über die Berliner Skyline, den uns ein weiterer Guide fachkundig erläuterte.

Nach der andächtigen Stille im leeren Plenarsaal wartete draußen das pralle Berliner Leben auf uns. Der Weg nach oben war ein Erlebnis für sich: Im gläsernen Fahrstuhl ging es Schulter an Schulter mit anderen Entdeckern Richtung Dachterrasse. Doch das dichte Gedränge im Lift war sofort vergessen, als wir heraustraten. Der Ausblick auf das moderne Bundeskanzleramt, das Brandenburger Tor und den fernen Fernsehturm ist einfach unschlagbar. Man sieht von hier oben erst richtig, wie eng Geschichte und moderne Architektur in diesem Viertel miteinander verwoben sind.

Nach so viel Input über Gesetzgebung, Architektur und Stadtgeschichte waren wir zwar deutlich schlauer, aber unsere Mägen knurrten mittlerweile lauter als jede Oppositionsrede. Die Lösung fanden wir Richtung Brandenburger Tor.

Der krönende Abschluss des Berlin-Besuchs: Eine Portion Currywurst mit Pommes Schranke (Mayonnaise und Ketchup). Die Wurst glänzt unter der würzigen Sauce, während die Pommes knusprig daneben liegen. Serviert ganz authentisch auf dem Pappteller im Freien – ein Muss für jeden Trip in die Hauptstadt, um das Sightseeing-Erlebnis geschmacklich abzurunden.

Wenn man schon so viel über deutsche Traditionen gelernt hat, muss man diese natürlich auch kulinarisch abschließen. Wir stellten fest: Demokratie ist harte Arbeit und macht verdammt hungrig! Da uns im Plenarsaal niemand bekocht hatte, suchten wir dringend nach einer bodenständigen „Regierungsstärkung“ in Form einer Currywurstbude. Und wie es sich für Berlin gehört, wurden wir natürlich prompt fündig.


Unser Fazit: Ein Muss für jeden Berlin-Besuch

Der Besuch im Reichstag ist viel mehr als nur Sightseeing. Es ist das beeindruckende Zusammenspiel aus lebendiger Geschichte und moderner Transparenz, das diesen Ort so besonders macht. Ob man nun die architektonischen Details der Fassade bestaunt, den weiten Blick über die Berliner Skyline genießt oder sich von der Kunst im Inneren inspirieren lässt – der Rundgang hinterlässt einen bleibenden Eindruck davon, wie Demokratie architektonisch greifbar gemacht wird. Und seien wir ehrlich: Den Tag mit einer echten Berliner Currywurst ausklingen zu lassen, ist einfach der perfekte Abschluss für so viel Kultur!


Wie hat es euch gefallen?

Wart ihr auch schon einmal auf der Dachterrasse oder habt die Glaskuppel besichtigt? Welcher Ausblick über Berlin ist euer Favorit – eher der Fernsehturm oder das Brandenburger Tor?

Schreibt es mir gerne unten in die Kommentare! Ich freue mich auf eure Erlebnisse und Tipps für den nächsten Berlin-Trip.



One response to “Reichstag im Visier: Zwischen Kuppelglanz und Currywurst”

  1. Hansi Bailer avatar
    Hansi Bailer

    Hi Karin

    Wieder mal super geschrieben.

    Und dass keine Politiker da waren, hatte sicher auch was gutes.
    Da musstet ihr wenigstens diese EkelhAfDen nicht in echt erleben.

    Auf jeden Fall hat dein Beitrag Lust auf einen Besuch in Berlin gemacht.

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