Der Rauchmelder-Blues: Mit Karacho ins Vanlife

Gleich an der T-Kreuzung nach der zweiten Kurve die erste philosophische Grundsatzfrage: Linksrum zu den Schwaben oder rechtsrum ins Badnerland? Da wir Sonnenanbeter sind, war die Sache klar: Ab nach rechts!

Apropos Sonne muss man zugeben: Es war der letzte Freitagabend im Mai, die Dämmerung kroch leise über den Schwarzwald und wir suchten Richtung Kinzigtal – ganz romantisch – ein Plätzchen für die Nacht. Fündig wurden wir in Nordrach. Direkt am Friedhof. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, aber zumindest die Nachbarschaft auf der einen Seite versprach absolute Ruhe.


Gemütlichkeit? Nicht mit uns!

Gegen 21 Uhr standen wir zwischen den anderen Campern. Um uns herum: Grabesstille (pun intended). Die erfahrenen Mobilisten schlummerten vermutlich schon in ihrer Funktionsunterwäsche, während wir – die blutigen Anfänger – erst so richtig loslegten.

Der Plan: Ein gemütliches Abendessen. Die Realität: Ein kulinarischer Anschlag.

Ich (Karin) warf die Pfanne an, um ein wenig Brot zu rösten. Nur zur Info: Sicherheit wird bei uns großgeschrieben. Ein Rauchmelder musste her, denn sicher ist sicher, man will ja nicht im Schlaf gegrillt werden. Dass dieses kleine Mistding allerdings eine eingebaute Feedback-Funktion für meine Kochkünste hat, wusste ich nicht.


Skandal im Sperrbezirk (oder am Friedhof)

Kaum brutzelte das Brot, passierte es: PIEP. PIEP. PIIIIIIIEP!

In der absoluten Stille von Nordrach klang das Teil nicht wie ein Warnsignal, sondern wie eine Luftschutzsirene. Die Schiebetür stand weit offen, damit auch wirklich jeder auf dem Platz (und vermutlich die halbe Bevölkerung des Friedhofs) an unserem Einstand teilhaben konnte.

Fazit meiner Kochkunst: Entweder war das Brot zu heiß oder der Feuermelder ist einfach nur eine Diva.

Stellt euch das Bild vor: Totenstille, schlafende Nachbarn und wir zwei im Neonlicht des Vans, verzweifelt gegen ein schreiendes Plastikteil kämpfend, während wir versuchten, so zu tun, als hätten wir alles voll im Griff. Peinlichkeitsfaktor? 12 von 10.

Ein Küchen-Arbeitsgerät mit Tücken.

Willkommen in der Realität

Das Beste am Vanlife? Die Nachbarn. Trotz des nächtlichen Alarms blieb alles entspannt. Niemand warf mit Steinen, keiner rief die Exorzisten. Ein paar schmunzelnde Gesichter, ein kurzes „Alles klar bei euch?“ – und das Fettnäpfchen war offiziell eingeweiht.

Unsere Jungfernfahrt führte uns zwar nicht weit weg von der Heimat, aber dafür mitten rein in den ganz normalen Camping-Wahnsinn.

Lektion des Tages: Wer am Friedhof parkt, sollte leise kochen – oder zumindest den Rauchmelder vorher auf „Medium Rare“ programmieren.


Tag 2: Von klemmenden Stangen und nächtlichen Sirenen

Nach dem musikalischen Einstand am Friedhof zogen wir weiter nach Meißenheim. Unser Ziel: Ein gemütlicher Stellplatz auf einer Wiese, die Sonne im Gesicht und – ganz wichtig – Kochen unter freiem Himmel. Denn eines war klar: Der Rauchmelder sollte heute Sendepause haben.


Die Markise: Unser Endgegner

Tisch raus, Stühle raus, mobiler Gaskocher startklar. Jetzt noch schnell die Markise ausfahren, damit das Camper-Idyll perfekt ist. Die Einweisung vom Verkäufer hatten wir noch im Ohr, und siehe da: Das Ding kurbelte Ingo butterweich aus. Sieg auf ganzer Linie!

Dachten wir.

Denn als die Markise stand, stellte uns die Technik vor ein Rätsel: Wie zur Hölle geht diese Kurbelstange wieder raus? Wir zogen, wir rüttelten, wir fluchten leise. Die Stange klammerte sich am Gewinde fest, als hinge ihr Leben davon ab. Bevor wir den Ducato samt Markise im Boden versenkten, kam die Rettung in Gestalt eines erfahrenen Kastenwagen-Nachbarn.

„Einfach ein gutes Stück höher heben, dann flutscht sie raus“, grinste er.

Ingo vs. Markisenkurbel: 0 zu 1. Spoiler: Die Stange hat gewonnen. Erst als wir den ‚geheimen Winkel‘ gelernt haben, durfte er die Kurbel wiederhaben und endlich entspannen. #CampingLife #Anfängerfehler

Tatsächlich. Ein Handgriff, ein Klick, die Freiheit war wiederhergestellt. Camper-Lektion Nr. 1: Der richtige Winkel entscheidet über Sieg oder Niederlage (und darüber, wie bescheuert man vor den Nachbarn aussieht).


Wenn Sicherheit zum Skandal wird

Der Rest des Tages war pure Entspannung. Selbstgemachte Burger, Salat, kein Rauchmelder-Alarm – wir fühlten uns wie Profis. Doch dann kam der Abend, und mit ihm die grauen Wolken. Wir verstauten alles in der „Garage“ unter dem Bett und verbarrikadierten uns im Ducato für eine gemütliche Runde Kniffel.

Das Thema Sicherheit hatten wir im Vorfeld akribisch geplant. Alle Türen verriegelt, die Alarmanlage scharf geschaltet – bei uns bricht so schnell keiner ein!

„Ich muss raus an die frische Luft, ich krieg hier drin Lagerkoller!“, grummelte Ingo nach einer Stunde Regen.

Was er dabei vergaß: Unsere Alarmanlage nimmt ihren Job verdammt ernst. Ingo riss die Schiebetür auf und – BÄM! – der nächste Skandal am Stellplatz war perfekt. Die Sirene jaulte los, als gäbe es kein Morgen mehr. Nachdem wir am Vorabend bereits Nordrach akustisch ‚beglückt‘ hatten, war nun die Nachbarschaft in Meißenheim dran. Man könnte fast meinen, wir testen im Rahmen einer geheimen Versuchsreihe die Belastbarkeit der Camper-Nerven. Fazit: Die Visitenkarte steckt im Gehörgang, der Ruf ist ruiniert – aber sicher sind wir!


Fazit unserer Jungfernfahrt: Zwei Tage, zwei Skandale!

Unser erstes Wochenende war laut, peinlich und absolut großartig. Wir haben auf die harte Tour gelernt:

  1. Markisen haben ihren eigenen Kopf (und Winkel).
  2. Alarmanlagen hassen nächtliche Frischluft-Fans.
  3. Camper-Nachbarn sind die entspanntesten Menschen der Welt – selbst nach einem kollektiven Herzinfarkt-Training um 22 Uhr.

Wir sind nun zwar überregional als „die mit dem Krach“ bekannt, aber dieses Wochenende werden wir nie vergessen. Gerne kommen wir wieder – vielleicht beim nächsten Mal etwas leiser… oder auch nicht!

Welches Missgeschick ist euch auf eurer ersten Fahrt passiert? Schreibt es uns gern in die Kommentare! 👇


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