Zeitreise pur: Das Blackhouse Village Na Gearrannan auf der Isle of Lewis

Nachdem wir beim Broch Dun Carloway die mutigen Eisenzeit-Krieger fast flüstern hören konnten, steuerten wir unser nächstes Ziel an: Na Gearrannan. Das Na Gearrannan Blackhouse Village auf der Isle of Lewis ist ein faszinierendes Freilichtmuseum. Dieses Blackhouse Village ist kein steriles Museum, sondern ein Ort, an dem die Geschichte lebendig geblieben ist.


Vom Alltag zum Freilichtmuseum: Wenn Ruinen Geschichte erzählen

Tatsächlich endete die Ära der traditionellen Lebensweise hier erst im Jahr 1969, als die letzten Bewohner aus den urigen Häusern in modernere Unterkünfte zogen. Lange Zeit dem Verfall preisgegeben, nahm sich der Comhairle nan Eilean Siar (die Inselverwaltung) ab 1991 der Ruinen an. Mit viel Liebe zum Detail wurden sie restauriert, bis die Arbeiten 2001 abgeschlossen waren.


Ein Dorf auf Wanderschaft: Geschichte seit 1600

Man mag es kaum glauben, aber die Geschichte dieser windgepeitschten Siedlung reicht bis tief ins 17. Jahrhundert zurück. Doch die Häuser standen nicht immer an diesem Fleck!

Ein kleines, tief in die dicke Natursteinmauer eingelassenes Sprossenfenster eines Blackhouses mit einem schweren Steinsturz und darüberliegendem Reetdach, das mit Steinen beschwert ist.

Bis etwa 1850 befand sich das Dorf noch ein Stück weiter südwestlich, an einem Ort namens Sìthean. Erst in den 1880er und 1890er Jahren wurden die charakteristischen Blackhouses an ihrem jetzigen Platz errichtet. Man könnte sagen, das Dorf ist erst vor knapp 150 Jahren an seinen heutigen Logenplatz direkt am Meer „umgezogen“.


Vom Leben auf engstem Raum: Eine starke Gemeinschaft

Das heutige Museumsdorf besteht aus neun Blackhouses, doch in seiner Blütezeit war die Siedlung mit etwa 12 bis 15 Gebäuden deutlich größer. In der kleinen Gemeinde lebten zwischen 50 und 80 Personen. Jedes restaurierte Haus trägt heute noch den Namen der Familie, die dort zuletzt lebte. Eine eigene Schule gab es nicht. Die Kinder mussten ins benachbarte Carloway laufen – ein Ort, der für uns später noch eine ganz „geschmackvolle“ Rolle spielen sollte!


9 spannende Fakten über Na Gearrannan

  1. Sturmfest: Doppelte Steinmauern mit einer Erdschicht dazwischen trotzen jedem Hebriden-Wind.
  2. Panoramablick: Bei klarer Sicht blickt man bis zu den Flannan Isles oder dem abgelegenen St. Kilda Archipel.
  3. Clevere Dächer: Eine Schichtung aus Stroh und Grassoden, gesichert mit Netzen und Steinen.
  4. Überlebenskünstler: Die Menschen lebten autark von Landwirtschaft, Fischerei, Weberei und dem Torfstechen.
  5. Lebende Heizung: Früher teilten sich Mensch und Vieh oft das Haus – die Körperwärme der Tiere war die einzige Heizung.
  6. Handarbeit: Fast jedes Haus beherbergte einen Webstuhl für den berühmten Harris Tweed.
  7. Authentisch: Es ist eines der am besten erhaltenen Beispiele für Hebriden-Architektur weltweit.
  8. Glamping-Vorreiter: Heute kann man in einigen Blackhouses sogar übernachten.
  9. Sinnesreise: Man schmeckt förmlich das Salz der Gischt auf den Lippen.

Echte Handarbeit: Wo der Harris Tweed entsteht

In einem der Häuser wurden wir Zeuge einer fast vergessenen Kunstform. Ein Guide demonstrierte uns den mechanischen Webstuhl – das Herzstück der Inselwirtschaft.

Hier wird der berühmte Harris Tweed noch nach strengen Regeln gefertigt: Das Gesetz schreibt vor, dass der Stoff von Hand in den Heimen der Inselbewohner gewebt werden muss. Die Präzision, mit der Kette (Längsfäden) und Schuss (Querfäden) durch rhythmisches Treten der Pedale verkreuzt werden, ist faszinierend. Erst wenn der Stoff das Siegel des „Orb“ erhält, ist es echter Harris Tweed.


Gemütlichkeit auf Schottisch: Torfduft und Schieflage

In den Wohnräumen empfing uns das „Parfüm der Highlands“: der rauchige Duft eines brennenden Torffeuers. Wir bestaunten die traditionellen schottischen Alkovenbetten (Box Bed), die hinter blumig gemusterten Vorhängen in die Wand eingebaut sind. Die Betten, die wie kleine, gemütliche Höhlen wirken – waren perfekt gegen die Zugluft!

Besonders amüsant: Der Boden war so schief, dass man sich wie auf einem schwankenden Schiff fühlte. Trotz der Härte des Lebens damals: Bei dieser Atmosphäre muss in diesen Mauern früher viel gelacht worden sein.


Das „schwarze Gold“ der Hebriden: Die Kunst des Torfbaus

Überall in Na Gearrannan und der umliegenden Landschaft sieht man sie: die sorgsam aufgeschichteten Wälle aus dunklen, rechteckigen Soden. Torf war über Jahrhunderte die einzige Energiequelle der Inselbewohner. Das Stechen des Torfs im Frühjahr war – und ist teilweise heute noch – ein echtes Gemeinschaftsprojekt, das viel Muskelkraft erfordert. Die Soden müssen erst im Moor gestochen, dann zum Trocknen aufgestellt und schließlich zum Dorf transportiert werden. Wenn man dann in den Blackhouses vor dem offenen Feuer steht, versteht man, warum sich die ganze Mühe lohnt: Der Torf brennt mit einer sanften, konstanten Wärme und erfüllt den Raum mit jenem unverwechselbaren, erdigen Aroma, das für uns untrennbar mit der Gemütlichkeit Schottlands verbunden ist.


Unser Fazit zu Na Gearrannan

Na Gearrannan ist mehr als nur ein Museum; es ist eine Hommage an die Widerstandsfähigkeit der Inselbewohner. Das findet auch Bärbel. (Äh, was macht die hier?) Wer wissen will, wie sich das Leben auf Lewis früher anfühlte, darf diesen magischen Ort nicht verpassen.

Und was meint ihr? Könntet ihr euch vorstellen, in einem Haus mit schiefen Böden und Torffeuer zu leben? Schreibt es mir unten in die Kommentare – ich bin gespannt auf eure Meinung!


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