Duncansby Head: Auf den Spuren der Stevenson-Dynastie

Unser Schottland Roadtrip führte uns an die nordöstlichste Spitze des Festlands: Zu den dramatischen Klippen von Caithness und den legendären Duncansby Stacks.

Wir verließen John o’Groats mit bester Laune. Das nächste Ziel: der berühmte Duncansby Head mit seinem Lighthouse und die majestätischen Duncansby Stacks. Bevor es jedoch wild wurde, brauchte unsere Kätter (unser treuer Kastenwagen) erst einmal Zuwendung. Eine Tankstelle mit zwei nostalgischen Zapfsäulen, einem Supermarkt und einer integrierten Postzentrale rettete den Tag: Kätter bekam Diesel, ich konnte endlich meine Postkarten loswerden.

Ein hellgrauer Knaus-Kastenwagen parkt auf einem Schotterplatz vor einem kleinen, grauen Gebäude mit der Aufschrift „Shop“. Im Vordergrund stehen zwei freistehende, moderne Zapfsäulen einer Tankstelle unter strahlend blauem Himmel.
Praktischer Zwischenstopp im Norden: Die kleine Tankstelle mit Shop in John o’Groats.

Das Erbe der Leuchtturm-Bauer: Robert Louis Stevenson & Co

Schließlich erreichten wir den Leuchtturm von Duncansby Head. Wusstet ihr, dass dieser Turm ein echtes Familienerbe ist?

Robert Stevenson war der Stammvater einer Ingenieurs-Dynastie, die über vier Generationen das Licht in Schottlands Dunkelheit brachte. Zusammen mit seinen Söhnen und Enkeln zeichnet die Familie für den Bau von beeindruckenden 97 Leuchttürmen verantwortlich. Sogar der „Schatzinsel“-Autor Robert Louis Stevenson stammte aus dieser Linie, tauschte den Zementstein aber glücklicherweise gegen die Feder ein.

Ein quadratischer, weißer Leuchtturm mit gelben Akzenten und einer schwarzen Laterne steht neben einem einstöckigen weißen Funktionsgebäude. Das Ensemble befindet sich auf einer grasbewachsenen Klippe vor einem tiefblauen Meer und einem wolkenlosen Himmel in Duncasby Head, Schottland.
Der nordöstliche Vorposten: Der markante, quadratische Leuchtturm von Duncasby Head thront über den stürmischen Gewässern des Pentland Firth an der nordöstlichsten Spitze des britischen Festlands.

Die Duncansby Bird Cliffs: Wildes Meer und gefiederte Bewohner

Von dort wanderten wir zu den Duncansby Bird Cliffs.

Ein lächelndes Paar in windfester Kleidung (Karin und Ingo) bei starkem Wind während ihres Schottland-Roadtrips.

Die Klippen sind hier so scharf eingeschnitten und der orkanartige Wind an diesem Tag schleuderte die Wellen mit unglaublicher Wucht dagegen. Es roch dort nach Salz und feuchter Wiese, und der Wind fühlte sich herrlich kühl an – auch eine natürliche Kühlung für mein (Karins) geschwollenes Knie!


Vögel beobachten im September: Wer tummelt sich an den Klippen?

Obwohl die berühmten Papageitaucher im September meist schon auf dem offenen Meer sind, ist an den Klippen einiges los. Eissturmvögel und Dreizehenmöwen nutzen die Thermik der Steilwände für ihre Flugmanöver. Am Fuß der Felsen kann man Krähenscharben beobachten, die ihre Flügel in der Brise trocknen. Mit etwas Glück entdeckt man zwischen den weißen Gischtkronen auch die Köpfe von Kegelrobben, die im Herbst die geschützten Buchten aufsuchen. Bei diesem Sturm sahen wir allerdings keine Seehunde. Lediglich zwei Schafe beim heftigen Disput – wer hätte gedacht, dass die so dickköpfig sein können?

Wie kommt dieser Vogel jetzt in den Blog geflogen?


Die Duncansby Stacks: Giganten im Atlantik

Gegen den Wind kämpften wir uns weiter zu den Duncansby Stacks. Diese riesigen Felsnadeln ragen wie versteinerte Haifischflossen aus dem Meer.

Geologie hautnah: Wie die Felsnadeln entstanden

  1. Die Stacks entstanden über Jahrtausende durch die gnadenlose Sandstein-Erosion des weicheren Gesteins.
  2. Der größte der Pfeiler ragt beeindruckende 60 Meter steil aus der Brandung empor.
  3. Ihre pyramidenartige Form macht sie zu einem der markantesten Fotomotive an der schottischen Nordküste.
  4. Wir hatten Glück: Auf einer Anhöhe war es plötzlich windstill, sodass wir die Stacks ausnahmsweise ohne fliegende Haare fotografieren konnten.

Lost Places: Freswick Castle und Old Castle Wick

Weiter ging die Fahrt mit unserer Kätter. Wir passierten einen alten Broch bei Freswick und wollten das Freswick Castle besichtigen.

Das Schloss steht auf den Ruinen einer alten Wikinger-Siedlung und stammt in seiner heutigen Form aus dem 17. Jahrhundert. Ursprünglich war es der strategische Sitz des Sinclair-Clans direkt an der Nordsee. Da es sich heute jedoch in Privatbesitz befindet, (was deutliche Schilder klarmachen), respektierten wir das natürlich und fuhren die holprige Schotterpiste namens Zufahrt ohne Erkundung wieder zurück. Dennoch ist der Anblick der trutzigen Mauern aus der Ferne absolut beeindruckend.


Besuch beim Old Castle Wick: Eine der ältesten Burgen Schottlands an der Steilküste von Caithness

Dafür entschädigte uns das „Old Castle Wick“ (auch bekannt als The Old Man of Wick). Die Ruine thront spektakulär auf einem schmalen Landstreifen zwischen zwei tiefen Klippeneinschnitten, den sogenannten „Goes“.

Die Ruine Old Castle Wick auf einer Klippe in Schottland bei stürmischer See.
Der einsame Wächter von Caithness: Die Ruine des Old Castle Wick thront spektakulär auf den Klippen über einer tiefen ‚Go‘.

Dieses Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert gilt als eine der ältesten Burgen Schottlands. Der einsame, vierstöckige Turm trotzte bereits den Grafen von Orkney und jahrhundertelangen Stürmen. Man erzählt sich, dass ein früherer Lord seine Schätze in den tiefen Abgrund warf, um sie vor Feinden zu retten – in stürmischen Nächten soll das Gold im Wasser noch heute funkeln. Wie bei Duncansby tobte das Wasser in den Tiefen unter der Ruine so gewaltig, dass uns beim Hinsehen fast schwindelig wurde.


Camping-Highlights: Kässpätzle und Luxus-Duschen

Abends fanden wir einen gemütlichen Campingplatz in Wick. Das Highlight des Tages (neben den Stacks): Kässpätzle aus dem Omnia-Ofen, frisch überbacken und mit Salat serviert. Während Kätter ihre wohlverdiente „E und V“ (Entsorgung und Versorgung) bekam, genossen wir das Highlight der Zivilisation: Eine lange Dusche, ohne danach das ganze Bad trockenwischen zu müssen.


Fazit

Ein Roadtrip durch Caithness ist ein Fest für die Sinne: Wenn der Salzgeruch der Nordsee in der Nase hängt und man vor den gigantischen Felsnadeln der Stacks steht, spürt man die Freiheit Schottlands pur. Ob das Erkunden einsamer Burgruinen oder der Luxus einer heißen Dusche in Wick nach einem stürmischen Tag – diese Etappe gehört zu den absoluten Highlights jeder Schottland-Reise.


Ab in die Kommentare! Hattet ihr auf euren Reisen auch schon einmal mit so extremem Wind zu kämpfen, dass das Fotografieren zur echten Herausforderung wurde? Und welche Lost Places oder Ruinen in Schottland haben euch bisher am meisten beeindruckt? Schreibt es mir unten in die Kommentare – ich bin gespannt auf eure Tipps!


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