Die Stille vor dem Pie
Wenn man in Durness einen Platz für eine Übernachtung sucht, findet man ihn meistens dort, wo der Wind die Schaumkronen direkt gegen die Windschutzscheibe serviert. Naja, zumindest fast. Unser Nachtquartier war ein Prachtexemplar: Ein Fleckchen Erde, das so nah am Abgrund lag, dass man beim Zähneputzen fast die Wale im Nordatlantik grüßen konnte.

Man sagt ja, in Durness weht der Wind so stark, dass er einem die Sünden aus der Seele pustet. Nicht so heute. Unser Stellplatz direkt an der Klippe der Sango Bay war so gespenstisch windstill, dass man das Gras wachsen und die Schafe auf der anderen Seite der Bucht kauen hören konnte. Ein seltener Moment schottischer Tiefenentspannung: Der Ozean glatt wie ein Spiegel und wir mittendrin auf unserem Logenplatz, ohne dass der Camper auch nur einmal bedrohlich schwankte. Fast schon unheimlich – als hätte der Nordatlantik kurz den Atem angehalten, nur um zu sehen, was wir heute Abend in der Bordküche zaubern.

Nur ein paar Meilen von der Smoo Cave entfernt fanden wir so diesen Nachtplatz mit Logenplatz-Garantie direkt am Meer. Als Nachbarn gab es ein nettes Pärchen aus Australien gratis dazu. Er erzählte uns stolz von seiner Verwandtschaft in Wick – in Schottland ist man eben nie wirklich allein, irgendwie ist jeder mit jedem über drei Ecken verwandt.
Hunger erfordert seinen Tribut
Dann wurde die Bordküche angeworfen. Und bevor hier Gerüchte entstehen: Wir möchten an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit klarstellen, dass wir während der drei Wochen in Schottland NICHT jeden Tag Fish & Chips (für Frank B.: mit Salt & Vinegar) gegessen haben, wie unsere Familie zu Hause befürchtet hatte! (Manchmal haben wir die Reihenfolge variiert und es gab Chips & Fish mit Vinegar & Salt). Nein, Spaß.
Heute blieb also die Fritteuse im Fish & Chips Imbiss kalt, denn unser Omnia (der Wunder-Backofen für den Gasherd) kam zum Einsatz. Auf dem Menüplan: Typisch schottische Pies.
- Variante 1: Chicken Curry
- Variante 2: Rind mit Minze
Klingt abenteuerlich? War es auch – und zwar abenteuerlich lecker! Falls ihr jetzt ein Foto von den goldbraunen Prachtstücken erwartet: Vergesst es. Wir waren schlichtweg zu verfressen. Kaum war der Deckel gelüftet, waren die Pies auch schon wieder Geschichte. Ein bisschen Schwund ist eben immer, wenn der Hunger die Kamera besiegt.
Fazit: Wenn der Magen über die Linse siegt
Durness hat uns mal wieder gezeigt, dass der Norden Schottlands nicht nur dramatische Klippen und mystische Höhlen kann, sondern auch die völlige Windstille. Dass wir diesen seltenen Moment nicht mit fettigen Fingern in einer Fish & Chips-Box, sondern mit dampfenden Pies aus dem Omnia gefeiert haben, war genau die richtige Entscheidung.
Schottland geht eben auch durch den Magen – selbst wenn das Beweisfoto dem schieren Heißhunger zum Opfer gefallen ist. Wer braucht schon Food-Photography, wenn er das Rauschen des Nordatlantiks und den Duft von Minz-Rindfleisch direkt vor der Campertür hat?
Was meint ihr?
Hättet ihr euch an das Rinder-Minz-Experiment herangetraut oder seid ihr Team „Fish & Chips bis zum Ende“? Und wer von euch hat den Omnia auch schon zweckentfremdet, um lokale Spezialitäten zu retten?
Schreibt es mir unten in die Kommentare – ich bin gespannt auf eure kulinarischen Camping-Abenteuer!


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