Wer von euch war eigentlich schon mal in einem alten, historischen Gebäude eingesperrt? Hand hoch! 🙋‍♀️🙋‍♂️ Uns ist genau das vor Kurzem passiert – und diesen spontanen Ausflug zum Castillo de Loarre werden wir so schnell definitiv nicht vergessen. Auf unserem Roadtrip nach Valtierra in Navarra steuern wir in der Provinz Huesca das berühmte Castillo de Loarre an – eine absolut spektakuläre romanische Burg in Spanien, die man auf einem Nordspanien Roadtrip einfach gesehen haben muss.

Direkt unterhalb der Burgmauern liegt das malerische Dorf Loarre, das mit seinen traditionellen Steinhäusern und engen Gassen den perfekten mittelalterlichen Charme versprüht. Von der Straße aus hat man bereits einen fantastischen Blick hinauf zu den wehrhaften Befestigungsanlagen, sodass wir erst einmal für einen schnellen Fotostopp anhalten.

Ein Blick auf die Infotafel verrät im Nachgang: Um 19 Uhr schließt die Burg. Hätten wir mal vorher genauer hingeschaut!


Das Castillo de Loarre: Hollywood-Kulisse in Aragonien

Das Castillo de Loarre gilt als eine der ältesten und am besten erhaltenen romanischen Burgen in Europa. Im 11. Jahrhundert auf einem steilen Felsriff erbaut, diente die Festung als strategischer Grenzposten während der christlichen Rückeroberung (Reconquista).

Mit ihren mächtigen Ringmauern, den elf Rundtürmen und der prachtvollen Burgkirche ist sie ein echtes Meisterwerk mittelalterlicher Militärarchitektur. Selbst Hollywood-Regisseur Ridley Scott wählte diese monumentale Kulisse nicht ohne Grund für seinen Historienfilm „Königreich der Himmel“. Wer durch die engen Gänge und imposanten Säle wandert, fühlt sich augenblicklich in die Zeit der Ritter und Könige zurückversetzt.


Grandioser Ausblick auf die Hoya de Huesca

Wer nach den besten Sehenswürdigkeiten in Aragonien sucht, kommt an dieser Festung nicht vorbei. Neben der Geschichte fasziniert vor allem der Ausblick. Wer die geschichtsträchtige Festung in den Ausläufern der spanischen Pyrenäen besucht, wird mit einem monumentalen Panorama belohnt. Von den alten Mauern der Ruine schweift der Blick hinab auf die dünn besiedelte Tiefebene der Hoya de Huesca.

Weite Panorama-Aussicht von der Burg Castillo de Loarre auf die grüne und landwirtschaftlich geprägte Ebene Hoya de Huesca in Aragonien, Spanien, unter einem leicht bewölkten blauen Sommerhimmel.
Ausblick vom Castillo de Loarre: Der grandiose Panoramablick von der Höhenburg reicht weit über die sanfte Hügellandschaft und die grünen Felder der aragonischen Tiefebene Hoya de Huesca im Norden Spaniens.

In der hügeligen, mediterranen Landschaft wechseln sich dichte Macchia-Büsche, grüne Felder, Olivenhaine und kleine, typisch aragonische Dörfer ab. Am Horizont glitzern vereinzelt Wasserflächen wie der Embalse de Sotonera, während sich darüber ein weiter Himmel erstreckt – ein perfekter Ort, um abseits der Autobahnen in die Weite Nordspaniens einzutauchen.


Der große Schloss-Krimi: „Ich glaube, wir sind eingesperrt!“

Wir schauen uns die Burg ausgiebig an, machen fleißig Filmausschnitte und beobachten nebenbei eine Reisegruppe. Ganz entspannt drehen wir weitere Runden für das perfekte Videomaterial.

Plötzlich sagt Ingo furztrocken:

„Ich glaube, die Tür ist zu. Wir sind eingesperrt!“

Karin Schmidtke steht verzweifelt blicken in einer gemauerten Ausbuchtung auf der hohen verschlossenen Festungsmauer des Castillo de Loarre.
Der große Schloss-Krimi hat begonnen: Wir sind eingesperrt!

Tatsächlich schließt das Castillo seine Pforten pünktlich um 19 Uhr. Da wir vollauf damit beschäftigt waren, die Ruine zu fotografieren und zu filmen, hatten wir die Zeit völlig vergessen. Und durch die Besuchergruppe, die wir gefühlt kurz vorher noch gesehen hatten, kam uns der Gedanke an den Feierabend der Angestellten gar nicht erst. Niemand dreht hier wohl eine letzte Kontrollrunde.

Sollten wir jetzt etwa in diesem alten, kalten Gemäuer übernachten? Das stellten wir uns im Vergleich zu unserer gemütlichen Kätter dann doch etwas unkomfortabel vor.


Rettung in letzter Sekunde – und die Sache mit der Übersetzer-App

Ingo fackelt nicht lange und hebelt die erste Tür zur inneren Burg auf. Aber weiter unten, an der äußeren Schlossmauer, stehen wir vor einer richtig massiven, verschlossenen Tür. Über die Mauer klettern? Keine Option. Zumindest nicht mehr in unserem Alter!

Also bleibt nur der direkte Weg: Wir rufen um Hilfe. Auf Deutsch, auf Englisch – und verflixt, was heißt eigentlich Hilfe auf Spanisch?! (¡Ayuda! – merken wir uns fürs nächste Mal).

An der oberen Tür entdecken wir zum Glück ein Blatt mit Telefonnummern. Aha, sind wir nicht die ersten eingesperrten Menschen?. Die erste Nummer gehört offenbar zur Tourist-Info – die Mitarbeiter dort haben Feierabend, da geht keiner ran. Bei der zweiten Nummer meldet sich eine Frauenstimme, die allerdings ausschließlich Spanisch versteht. Jetzt ist Schnelligkeit gefragt: Übersetzer-App auf, Problem eingetippt und das Spanische laut vorgelesen:

„Estamos dentro del castillo y no podemos salir; la puerta está cerrada con llave.“

Screenshot der Übersetzer-App mit dem spanischen Satz für „Wir sind im Kastell und kommen nicht heraus“.

Die nette Señora versteht am anderen Ende allerdings nur das Wort „Castillo“ und erklärt mir freundlich, dass dieses bereits geschlossen habe. Gut zu wissen – WIR WAREN JA AUCH NOCH DRIN!

Als sie gerade die Polizei alarmieren will, winkt Ingo plötzlich erleichtert ab. Unsere Hilferufe von vorhin haben Wirkung gezeigt: Eine Mitarbeiterin kommt sichtlich genervt mit dem Schlüssel den Weg heraufgelaufen. Mann, war die sauer auf uns… Wir sind dagegen einfach nur heilfroh, wieder in Freiheit zu sein.


Mit dem Camper Richtung Sonnenuntergang nach Valtierra

Nach diesem Adrenalinkick fahren wir schnurstracks dem Sonnenuntergang entgegen. Während gefühlt 20 Milliarden Insekten gegen die Frontscheibe der Kätter prallen, steuern wir unseren nächsten Stellplatz in Valtierra an.

Was für ein Tag! Morgen geht es dann hoffentlich etwas entspannter zu, wenn wir die historischen, in die Felsen gehauenen Höhlenwohnungen in der Region besichtigen, die früher den Bauern als günstige Unterkünfte dienten. Bleibt nur zu hoffen, dass uns dort keiner einschließt!

Ein glühend roter Abendhimmel im Sonnenuntergang, vor dem unzählige Insekten als kleine Punkte in der Luft tanzen.
Fahrt in den wohlverdienten Feierabend – inklusive Millionen kleiner Insekten-Gäste an Kätters Frontscheibe.

Tipps für deinen Besuch im Castillo de Loarre

  • Anfahrt: Ideal für einen Roadtrip durch Aragonien abseits der Autobahnen über malerische Landstraßen.
  • Öffnungszeiten beachten: Die Burg schließt am frühen Abend (oft um 19 Uhr) – schaut lieber zweimal auf die Infotafel!
  • Spanisch-Vokabelnotfallset: ¡Ayuda! (Hilfe!) und „Estamos encerrados“ (Wir sind eingesperrt) können in Nordspanien Gold wert sein. 😉

Das Castillo di Loarre: in absoluter Traum für alle, die Spanien abseits der Autobahn mit dem Kastenwagen oder Wohnmobil erkunden wollen.

Warst du auch schon mal auf einem Nordspanien Roadtrip oder hast das Castillo de Loarre besucht? Ist dir auch schon mal so ein Missgeschick beim Reisen passiert? Schreib es mir unbedingt unten in die Kommentare – wir sind gespannt auf deine Geschichten!


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