Das Fairy Glen bei Rosemarkie: Eine Märchenwanderung auf der Black Isle
Nach dem morgendlichen Delfin-Date am Chanonry Point führte uns unsere treue Begleiterin Kätter zielsicher ins Fairy Glen bei Fortrose. Wer braucht schon Autobahnen, wenn man auf verschlungenen Pfaden wandeln kann?




Ein Wasserfall wie aus dem Märchenbuch: Stell dir vor, du spazierst durch ein tiefgrünes, fast schon unwirklich leuchtendes Tal auf der Black Isle in Schottland. Die Farne hängen tief, das Moos ist weich wie Samt und das stetige Plätschern bildet die perfekte Kulisse. Genau hier, im Fairy Glen bei Rosemarkie, begegnest du einer Welt, in der Natur und Legende verschmelzen.





Die Legende der reinlichen Feen: Schottlands erstes „Facility Management“
Früher spielten sich hier Dinge ab, die man heute vermutlich als „magisches Facility Management“ bezeichnen würde. Die Legende besagt nämlich, dass das Glen das Hauptquartier einer Truppe äußerst reinlicher Feen war.
Während ihre Artgenossen in anderen Teilen Schottlands Wanderer in die Irre führten, hatten die Feen von Rosemarkie eine nützlichere Mission: Sie waren die Hüterinnen der Wasserqualität. Unsere Bärbel machte sogar Bekanntschaft mit den zauberhaften Bewohnerinnen des Tals.

Das Tauschgeschäft: Blumen gegen kristallklares Wasser
Man bezahlte die Feen allerdings nicht mit Gold, sondern mit Ästhetik. Regelmäßig zogen die Kinder des Dorfes in das Tal, um die flachen Becken der Quellen mit bunten Wildblumen zu schmücken. Solange die Feen ihre tägliche Dosis Dekoration bekamen, blieb das Wasser rein. Heute stößt man stattdessen auf die sogenannten Money Trees – alte Baumstämme, die so dicht mit Münzen gespickt sind, dass sie wie metallische Drachenschuppen wirken.




Die Clootie Well bei Munlochy: Ein skurriles Heilungsritual
Ganz in der Nähe, bei Munlochy, wartet mit der Clootie Well ein noch mystischerer Anblick. Hunderte bunte Stofffetzen hängen wie seltsame Früchte von den Bäumen. Nach einem uralten keltischen Brauch tunkt man einen Lappen (Clootie) in das heilige Quellwasser, verreibt ihn auf einer kranken Stelle und bindet ihn an einen Ast. Sobald der Stoff verrottet, soll die Krankheit verschwinden.

Guide für Camper: Parken und Wandern auf der Black Isle
- Fairy Glen Parken: Der Parkplatz direkt am Glen ist sehr eng. Tipp: Nutzt den Strandparkplatz in Rosemarkie (15 Min. Fußweg).
- Clootie Well Parken: Kleine Bucht an der A832, oft belegt. Früh kommen lohnt sich!
- Übernachtungstipp: Der Fortrose & Rosemarkie Camping Club Site – perfekt zur Delfinbeobachtung im Moray Firth.
Culloden Battlefield: Wo Geschichte auf „Outlander“-Kult trifft
Wer das Schlachtfeld von Culloden mit dem Wohnmobil besucht, wird direkt zur Kasse gebeten: 5 Pfund Parkgebühr werden fällig. Auch wenn das Ticket den Erhalt des Geländes durch den National Trust for Scotland unterstützt, fühlte sich der Stopp für uns eher nach Massentourismus als nach andächtigem Gedenken an.
Während Ingo angesichts der Selfie-Jäger, die in Busladungen angekarrt wurden, direkt schmollend im Kastenwagen blieb, hatte ich mich kurz umgesehen: Hier tobt eine ganz eigene Schlacht – die zwischen historischer Realität und fiktivem Fandom um Jamie Fraser.
Liebe Leute, jetzt atmet mal ganz tief durch die Hose: Jamie und Claire sind fiktive Figuren aus Diana Gabaldons Feder! Culloden ist kein Filmset, sondern ein Ort von immenser historischer Bedeutung für ganz Schottland.


Das Leanach Cottage: Stummer Zeuge von 1746
Das Leanach Cottage ist eines der wenigen Gebäude, das die Schlacht von Culloden im Jahr 1746 tatsächlich miterlebt hat. Es wurde vermutlich im frühen 18. Jahrhundert erbaut (ca. 1720–1730). Damit ist das Gebäude heute etwa 300 Jahre alt. Während der Schlacht von Culloden am 16. April 1746 stand das Haus direkt zwischen den Linien. Es diente vermutlich als Feldlazarett für die Regierungstruppen. Erstaunlicherweise wurde das Cottage noch bis 1912 bewohnt. Die letzte Bewohnerin war Belle MacDonald.
In den 1960er Jahren wurde es umfassend restauriert, um es in dem Zustand zu erhalten, den ihr auf dem Foto unten seht – inklusive des traditionellen Reetdachs aus Heidekraut oder Stroh.

Am 16. April 1746 endete hier der Jakobitenaufstand in einer blutigen Katastrophe, die das Hochland für immer veränderte. In weniger als einer Stunde verloren über 1.500 Männer ihr Leben im Kampf gegen die Regierungstruppen. Der Sieg des Duke of Cumberland markierte das Ende der Clan-Struktur und den Beginn einer harten Unterdrückung der gälischen Kultur. Das Moor ist im Grunde ein riesiges Massengrab und verdient weit mehr Respekt als bloßen Fandom-Kult.
Inverness und die Weiterreise nach Laggan
War Inverness die Rettung? Sagen wir mal so: Der Funke wollte nicht recht überspringen. Wir schlenderten durch den hübschen Victorian Market und bestellten uns eine deftige Peperoni-Pizza – Seelenfutter muss sein!





Doch der schottische Nieselregen und mein beleidigtes Knie gaben den Takt vor. Wir wollten nicht bleiben und zogen es vor, Kilometer zu machen. Über park4night fanden wir bei Laggan ein Plätzchen für die Nacht. Die Hoffnung auf Polarlichter war groß, doch der Himmel blieb nachts stur bewölkt. Keine Lichtershow für uns diesmal, dafür Ruhe pur.
Teilen macht Freude: Ein Gruß aus der Heimat in Laggan
An unserem Stellplatz in Laggan stand ein „Community Food Share Shed“. Das Prinzip ist so simpel wie herzlich: Wer etwas übrig hat, gibt es hinein; wer etwas braucht, bedient sich. Da wir als Botschafter des guten Geschmacks unterwegs waren, haben wir das Regal um eine Packung echter schwäbischer Spätzle und zwei Dosen alkoholfreies Bier ergänzt. Ein kleines Stück deutsche Küchenkultur für die schottischen Highlands – wir hoffen, es hat geschmeckt!




Unser Fazit zum Tag
Manchmal sind es die leisen Orte wie das Fairy Glen bei Rosemarkie, die am tiefsten beeindrucken, während die „großen“ Sehenswürdigkeiten wie Culloden durch den Massentourismus ihre Seele verlieren. Schottland ist eben beides: mystischer Zauberwald und manchmal knallharte Vermarktung. Man muss nur wissen, wann es Zeit ist, weiterzuziehen.
Deine Meinung: Magie oder Massentourismus?
Wart ihr schon mal am Fairy Glen oder hat euch die Stimmung in Culloden auch eher abgeschreckt? Vielleicht habt ihr sogar einen Geheimtipp für die Black Isle, den wir beim nächsten Mal unbedingt sehen müssen?
Schreibt es uns in die Kommentare – wir freuen uns auf eure Geschichten und Camper-Tipps!


Leave a Reply