Kaffee, Krisen und ein schnarchender… äh, schlafender Gatte
Ein ordentlicher, frisch aufgebrühter Kaffee an so einem unfassbar idyllischen Ort mitten in den Pyrenäen, fast direkt vor der gigantischen Kulisse der Grotte de Bédeilhac – herrlich! Eigentlich die pure Camper-Romantik, wenn da nicht die liebe Technik wäre.
Ich, also Karin – bekanntlich der frühe Vogel dieser Reisegruppe –, saß typischerweise schon seit 6:30 Uhr hochmotiviert am Blog, überwacht von Bärbel und kämpfte erbittert mit den digitalen Tücken des Vanlifes. Währenddessen verarbeitete Ingo nebenan im Bett lautstark… nein, streicht das, „CUT“, Ingo schnarcht doch nicht!

Sagen wir einfach, er hielt ausgiebigen Schönheitsschlaf.

Mein Morgen sah stattdessen so aus: Frische Videos von der Kamera laden, sichten, bearbeiten, schneiden… und zack, meldet das iPad lautstark kapitulierende Speicherprobleme! Na hervorragend. Die erste handfeste Reise-Krise des Tages war perfekt. Also erst mal tief durchatmen, neuen Kaffee aufbrühen, zweiter Versuch und eine gepflegte Runde fluchen. So nahm das allmorgendliche Technik-Drama in unserer Kätter seinen Lauf. Aber hey, wir hatten ja ein klares Ziel vor Augen!
Große Höhlen-Vorfreude – und dann standen die Landeier vor verschlossenen Toren
Da die Grotte de Bédeilhac um 10:30 Uhr öffnen sollte, wollten wir pünktlich auf der Matte stehen. Spoiler: Hat natürlich nicht hingehauen. Ingo war inzwischen immerhin aus der kättereigenen Höhle gekrochen. Also machten wir uns voller Vorfreude auf den Weg – und standen nur wenige Minuten später wie bestellt und nicht abgeholt vor absolut verschlossenen Toren.
Großes Fragezeichen im Gesicht. Nach einem kurzen Check der Lage folgte die Ernüchterung: Die nächste Chance für eine englischsprachige Führung sollten wir tatsächlich erst um 16:30 Uhr bekommen! Sechs Stunden Wartezeit? Puuuh. Jetzt standen wir vor der großen Frage: Wollen wir das wirklich? Schließlich sitzt man im Camper Van auf heißen Kohlen und die Straße ruft.

Kaum zu glauben, aber wahr: Der Eingang zur Grotte de Bédeilhac ist so gewaltig, dass im Inneren der Höhle sogar ein echtes Flugzeug Platz findet! Das gibt es dann im Video zu sehen.
Plan B in den Pyrenäen: Der prähistorische Park in Tarascon-sur-Ariège
Zum Glück gibt es in dieser Region immer einen Plan B! Um die lange Wartezeit bis zur Höhlenführung sinnvoll zu überbrücken, haben wir spontan den prähistorischen Park im nahegelegenen Tarascon-sur-Ariège besucht. Vor allem für Familien mit Kindern ist dieses riesige Areal wegen der vielen Outdoor-Aktivitäten ein tolles Ausflugsziel, aber auch wir zwei Erwachsenen hatten hier richtig großen Spaß.

Wir haben die Event-Stationen bestaunt (es war niemand da, um Aktionen durchzuführen) das riesige Labyrinth erkundet und die unterschiedlichen Wohnstätten und Jagdmethoden. Später besuchten wir das dazugehörige, hochmoderne Museum „Le Grand Atelier“, nahmen es ausgiebig unter die Lupe. Dort staunten wir nicht schlecht über die Dimensionen der lebensgroßen Mammuts, Hirsche und weiterer eiszeitlichen Giganten.

Am meisten faszinierten uns jedoch die meisterhaften Kunstobjekte und die originalgetreuen Nachbildungen der prähistorischen Höhlenmalereien, die mit einer unglaublichen Präzision nachgebaut wurden. Es ist absolut tief beeindruckend zu sehen, mit welcher Ausdruckskraft und Kreativität die Menschen schon vor Jahrtausenden ihre Geschichten an die Felswände gezaubert haben. Nach diesem faszinierenden Kultur-Exkurs im Tal hieß es für uns dann auch schon wieder: Sachen packen und zurück zum Kastenwagen. Schließlich wollten wir pünktlich wieder oben am Berg sein, um unseren eigentlichen Höhlentrip nicht nochmal zu verpassen!
Highlights der Grotte de Bédeilhac: Ein Flugzeug im Fels und Eiszeit-Kunst
Nach einem schnellen, leckeren Mittagessen in unserer gemütlichen Kätter machten wir uns frisch gestärkt wieder auf den Weg hinauf zur Höhle, um endlich an der heiß ersehnten Führung teilzunehmen. Schon beim Betreten des gewaltigen Höhleneingangs der Grotte de Bédeilhac stockte uns der Atem, denn dort drinnen parkt tatsächlich ein echtes, historisches Flugzeug! Die riesige Höhlenöffnung ist so monumental. Hinter dem Flugzeug steckt eine faszinierende Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Höhle von den Nationalsozialisten als Lager und Werkstatt für Flugzeuge genutzt. Sie wollten immer mit einem Flugzeug aus der Höhle starten. Im Jahr 1972 kam der Pilot Georges Bonnet und hat’s gemacht. Er landete das Flugzeug in der Höhle und hob von dort aus auch erfolgreich wieder ab. Bis heute wird er dafür gefeiert.

Leider darf man im Inneren der Höhle überhaupt nicht fotografieren oder filmen, was zum Schutz der jahrtausendealten Schätze aber natürlich völlig verständlich ist. Ausgerüstet mit festem Schuhwerk und dicken Jacken marschierten wir hinein in die Dunkelheit und entflohen so ganz nebenbei der drückenden Hitze draußen.

Drinnen angekommen, tauchten wir in eine völlig andere Welt ein: Manche der prähistorischen Malereien sind so verblasst, dass sie für das menschliche Auge erst unter speziellem Schwarzlicht sichtbar werden. Spannend fanden wir auch, dass die Eiszeitkünstler damals ausschließlich die Farben Rot und Schwarz nutzten – das lag schlicht an den verfügbaren Naturmaterialien der Region.

Nervenkitzel am Pyrenäen-Pass: Tank-Krimi und Schneereste in Andorra
Nach dem faszinierenden Besuch in der Höhle hieß es für uns: Kätter gesattelt und ab Richtung Andorra! Das kleine Steuerparadies mitten in den Bergen lockte uns vor allem mit einem unschlagbaren Argument: Die Spritpreise sind dort drüben bekanntermaßen deutlich günstiger als im Rest Frankreichs.
Allerdings entwickelte sich die Fahrt über den Pass schnell zu einem kleinen Nervenkrimi. Der Schwarzwälder Routenplaner warf einen Blick auf die Tankanzeige, rechnete kurz die bevorstehenden steilen Höhenmeter hoch und fällte das Urteil: Das wird eine verdammt enge Kiste! Also mussten wir kurz vor knapp noch einmal umdrehen, eine französische Tankstelle ansteuern und für teures Geld ein wenig Diesel nachfüllen – die pure Angst, mit leerem Tank auf dem Pass zu verhungern, fuhr sonst einfach mit.





Als wir schließlich die Passstraße bezwangen, öffnete der Himmel seine Schleusen. Es regnete in Strömen, während sich links und rechts von uns die majestätischen Berge auftürmten, die immer noch mit dicken Schneeresten überzogen waren. Da ging mir plötzlich ein ganz anderer Gedanke durch den Kopf: Ingo hatte im Vorfeld herausgefunden, dass hier in den Bergen bis zum 15. Mai eine strikte Winterreifenpflicht gilt! Da wir den 19. Mai schrieben, hatten wir also gleich doppeltes Glück: Die Reifenpflicht war seit vier Tagen vorbei und Petrus hatte ein Einsehen, sodass tatsächlich kein frischer Schnee mehr auf der Fahrbahn lag.

Für die Nacht steuerten wir einen genialen, kostenlosen Parkplatz mitten in dieser rauen Bergwelt an. Umgeben von gigantischen Gipfeln fanden wir ein perfektes Plätzchen für die Nacht – inklusive einem herrlich nostalgischen, wenn auch etwas dreckigen Schneehaufen direkt hinter dem Heck unserer Kätter.

💬 Was meint ihr?
Hättet ihr die sechs Stunden Wartezeit an der Höhle auch mit einem Museumsbesuch überbrückt, oder hättet ihr direkt die Segel gestrichen? Und wer von euch ist auch schon mal mit dem allerletzten Tropfen Sprit über einen Bergpass gezittert? Schreibt es mir unbedingt unten in die Kommentare!


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