Kurs Richtung Fortrose Cathedral: Stopp in Tain

Der Kalender sagt 28. September 2025, und unser Kompass zeigt unerbittlich nach Süden und nimmt Kurs auf die Fortrose Cathedral. Wir befinden uns nun im letzten Drittel unserer Reise – jenem Abschnitt, in dem man versucht, jede Sekunde Highlands noch einmal ganz tief einzusaugen.


Tain: Kulinarik statt Kater

Unser nächster Stopp nach den Erlebnissen in Castle Skelbo und Dunrobin Castle war Tain. Und ja, ich weiß, was ihr denkt: Tain ist die Heimat von Glenmorangie. Aber statt flüssigem Gold gab es für uns das „echte“ Gold der Küste: Fish & Chips. Natürlich stilecht mit einer ordentlichen Ladung Salt & Vinegar.


Luftballett über Tain: Das Spektakel am Kirchturm

Nach dem Essen schlenderten wir durch die hübschen Gassen. Besonders faszinierend war das Spektakel am Kirchturm: Hunderte Vögel – vermutlich Schwalben, die sich für den Abflug rüsteten – tanzten in wilden Formationen um die Spitze. Ein herrlicher Moment, den ich zum Glück auf Video festhalten konnte:


Na dann Prost: Die Schotten feiern Oktoberfest – Slainthe Math

In Fortrose angekommen, trafen wir auf eine kuriose Szenerie: Die Schotten feiern dort tatsächlich Oktoberfest! Da wir aber für die Historie (und nicht für bayerisches Bier in Schottland) hier waren, zog es uns direkt zur Fortrose Cathedral.

Werbeplakate für ein Oktoberfest im „The Anderson“ in Tain, Schottland, mit bayerischen Motiven.

Die gotischen Ruinen von Fortrose: Die Kathedrale der Bischöfe von Ross

Die im späten 12. Jahrhundert gegründete Kathedrale war einst der stolze Sitz der Bischöfe von Ross. Heute zeugen die roten Sandsteinruinen von der einstigen Pracht der gotischen Architektur. Besonders beeindruckend ist das erhaltene Südseitenschiff, das mit seinen filigranen Fensterbögen den Himmel rahmt. Im Inneren findet man noch heute die Grabnischen bedeutender Geistlicher und Adliger, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Trotz der Zerstörungen während der Reformation strahlt der Ort eine tiefe, fast andächtige Ruhe aus. Die Kombination aus verwittertem Stein und dem saftigen Grün der Umgebung macht sie zu einem der fotogensten Orte der Region.

Ein kleiner Schauer lief uns über den Rücken, als wir das Nebengebäude betrachteten. Nach der Reformation wurde dieses kurzerhand in ein Gefängnis umgewandelt. Die dicken Mauern, die einst Gebete umschlossen, hielten nun Gefangene in dunkler Kälte fest. Man kann fast noch das Echo der schweren Riegel hören, wenn der Wind durch die Ritzen pfeift.


Das Steinerne Vermächtnis des Mackenzie-Clans

Dass Teile der Kathedrale heute noch stehen, ist ein historisches Glück. Während Oliver Cromwell im 17. Jahrhundert Steine für seine Festung in Inverness abtragen ließ, blieben das Kapitelhaus und der Südgang als prestigeträchtige Grabstätten des Clan Mackenzie erhalten. Hier begegnet man auch der Legende des Brahan Seer und der tragischen Prophezeiung über das Ende der Seaforth-Linie.

Besonders faszinierend ist die Verbindung zur Legende des Brahan Seer. Inmitten der prachtvollen Bogengräber und verwitterten Effigien wird die Prophezeiung greifbar, die das Ende der Seaforth-Linie vorhersagte. Aber davon gibt es im nächsten Beitrag mehr.

Eine Informationstafel mit dem Titel "End of the Line", die über den Clan Mackenzie und die Legende des "Brahan Seer" informiert.

Mit dem Tod des gehörlosen Francis Humberston Mackenzie im Jahr 1815, dessen Gedenktafel man noch heute im Inneren des Südgangs findet, erfüllte sich das Schicksal der Familie auf tragische Weise.

Die massiven Sandsteinmauern und das filigrane Kreuzrippengewölbe zeugen so bis heute vom einstigen Glanz und dem unvermeidlichen Wandel eines der bedeutendsten Clans der Highlands.


Dominospiel der Geschichte: Die Schicksale von Fortrose

Draußen auf dem Friedhof bot sich uns ein skurriles Bild: Die Grabsteine standen und lagen so kreuz und quer, als hätte ein riesiger Troll ein überdimensionales Dominospiel verloren. Doch beim näheren Hinsehen verflog der Humor: Die verwitterten Inschriften erzählen berührende Geschichten von Schicksalen vergangener Jahrhunderte.


Pub-Spaß im „Plough Inn“

Pünktlich zum Sonnenuntergang explodierte der Himmel in dramatischen, warmen Farben. Unser Nachtlager fanden wir direkt neben dem Plough Inn – ein strategischer Geniestreich.

In Schottland bleibt man nie lange allein. Kaum sitzt man, wird man mit einem herzlichen „Where do you come from? How do you do, aye?“ in ein Gespräch verwickelt. Von jung bis alt, die muntere Redseligkeit der Schotten ist ansteckend, und ehe man sich versieht, ist man Teil der Dorfgemeinschaft. Es war ein herrlich unkomplizierter Abend, der (wenig überraschend) direkt auf dem Parkplatz nebenan im Kastenwagen endete.


Tipps für Camper auf der Black Isle

Falls ihr mit dem Wohnmobil oder Kastenwagen in der Region Fortrose/Rosemarkie unterwegs seid, hier ein paar hilfreiche Tipps:

  1. Stellplatz-Wahl: Der Fortrose Bay Campsite liegt phänomenal direkt am Wasser. Wer es etwas ruhiger mag, findet in Rosemarkie tolle Plätze direkt an der Bucht.
  2. Delfine beobachten: Vom Pub in Rosemarkie ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Chanonry Point. Dort könnt ihr oft Große Tümmler direkt vom Ufer aus beobachten – am besten bei aufkommender Flut!
  3. Versorgung: Tain bietet super Möglichkeiten zum Auffüllen der Vorräte (Lidl/Tesco), bevor es auf die kleineren Straßen der Black Isle geht.
  4. Pub-Etikette: Parkt fair! Wenn ihr beim Pub übernachtet, fragt vorher kurz nett nach und lasst als Dankeschön ein paar Pfund für Speis und Trank da.

Fazit: Die Mischung macht’s

Der Weg nach Süden fällt schwer, aber Orte wie Fortrose machen den Abschied von den Highlands erträglich. Die Kombination aus tiefer, fast schauriger Geschichte in den Ruinen und der herzlichen, lebendigen Pub-Kultur ist genau das, was Schottland für uns ausmacht. Ob man nun wegen der Architektur kommt oder einfach nur, um bei einem Pint die Seele baumeln zu lassen – die Black Isle ist ein absolutes Muss auf jeder Route.


Eure Meinung ist gefragt!

Wart ihr schon einmal an der Fortrose Cathedral oder habt die Delfine am Chanonry Point entdeckt? Welcher Ort in den Highlands hat euch bisher am meisten beeindruckt? Schreibt es mir unten in die Kommentare – ich freue mich auf eure Geschichten!


    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert